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Mafra-Dialoge 2026: Glaube, Diplomatie und ein Plädoyer für den Multilateralismus

08 April 2026

Vor der Kulisse des historischen Klosters von Mafra brachten die „Mafra-Dialoge“ erneut politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, Forschende und Vertreter religiöser Gemeinschaften zusammen, um die Herausforderungen zu erörtern, denen die internationale Zusammenarbeit gegenübersteht. Die Veranstaltung, die bereits zum sechsten Mal stattfand, war die vierte Ausgabe, die vom Institut zur Förderung Lateinamerikas und der Karibik (IPDAL) in Partnerschaft mit dem Internationalen Dialogzentrum – KAICIID organisiert wurde. 

Unter dem Motto „Multilateralismus unter Druck“ begann der Tag mit der Bekräftigung der jüngsten Zusammenarbeit zwischen IPDAL und KAICIID durch die Unterzeichnung einer Absichtserklärung (MoU). Anschließend ergriff der Heilige Stuhl das Wort mit einer Botschaft von Kardinal Pietro Parolin, Kardinalstaatssekretär des Heiligen Stuhls, die von Erzbischof Andrés Carrascosa Coso, dem neu ernannten Apostolischen Nuntius in Portugal, überbracht wurde. Die Botschaft war eindeutig: Eine auf Dialog und Konsens basierende Diplomatie wird durch eine auf Gewalt basierende Politik ersetzt. Aufgerufen wurde zu einem aufrichtigen Dialog, zur Achtung des humanitären Völkerrechts, zu einer schrittweisen Abrüstung und zum ethischen Einsatz neuer Technologien als konkrete Wege zum Frieden. 

„Die Mafra-Dialoge entspringen eben genau der Überzeugung, dass der Multilateralismus nicht der Vergangenheit angehört, sondern einen realistischen und notwendigen Weg darstellt, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen.“ — Botschaft von Kardinal Pietro Parolin, Kardinalstaatssekretär des Heiligen Stuhls 

Die hochrangige Podiumsdiskussion zum Auftakt der Konferenz war von einem gemeinsamen Gefühl der Dringlichkeit geprägt. Sanam Naraghi Anderlini, Geschäftsführerin des International Civil Society Action Network (ICAN) und langjährige Partnerin von KAICIID, warnte davor, dass langjährige internationale Normen stark unter Druck stehen, und forderte die Zivilgesellschaft auf, zu handeln, wenn Regierungen dies versäumen. Emilce Cuda von der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika beim Heiligen Stuhl stellte hingegen fest, dass Frieden nicht von sozialer Gerechtigkeit getrennt werden könne, und wies darauf hin, dass in Südamerika täglich 22 Menschen aufgrund anhaltender Konflikte getötet werden. Camilla Habsburg-Lothringen, kaiserlich-königliche Hoheit Erzherzogin von Österreich und Prinzessin von Toskana, betonte die Verantwortung der Medien, inklusive und informative Berichterstattung zu fördern, anstatt die Spaltung zu vertiefen. 

Botschafter António de Almeida-Ribeiro, amtierender Generalsekretär von KAICIID, nahm an der ersten Podiumsdiskussion teil und erklärte, dass religiöse Führerinnen und Führer weltweit eine wichtige Rolle spielen; wenn Seine Heiligkeit, der Papst, spreche, finde seine Botschaft über Regionen, Kulturen und Religionen hinweg in den Gemeinschaften Widerhall.

„Die Herausforderung besteht nicht nur darin, Räume für den Dialog zu schaffen, sondern sicherzustellen, dass diese Vertrauen aufbauen, die Inklusion stärken und das gegenseitige Verständnis fördern können. Das ist die Rolle, die religiöse Führerinnen und Führer übernehmen können.“ – Botschafter António de Almeida-Ribeiro, amtierender Generalsekretär von KAICIID

Das Team der KAICIID-Region Afrika leitete am Nachmittag zwei Workshops zum interreligiösen Dialog als Instrument für Konfliktprävention und Frühwarnung und übersetzte damit die politischen Diskussionen des Tages in handfeste Erfahrungen aus der Praxis. Der Tag endete mit einem von KAICIID moderierten Workshop zum Lesen religiöser Texte über Friedensförderung und interreligiöses Verständnis, an dem muslimische, christliche und jüdische Religionsführerinnen und -führer teilnahmen.