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Zugang zu Online-Lernangeboten soll Flüchtlinge und Migranten unterstützen

26 Apr 2021

Im Rahmen eines zweitägigen Workshops wurde letzte Woche die Bedeutung formaler und innovativer Zugänge zu Bildungsangeboten für Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten erörtert.

Der virtuelle Workshop mit dem Titel "Information und Inspiration im Zeitalter digitaler Bildung für Flüchtlinge und Migranten in Europa" wurde vom Network for Dialogue, das von KAICIID unterstützt wird, und SIRIUS - Policy Network on Migrant Education organisiert. SIRIUS ist eine mitgliederbasierte Organisation mit Sitz in Brüssel, die von der EU gegründet wurde. Sie fördert die soziale Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, indem sie deren effektiven Zugang zum universellen Recht auf Bildung unterstützt.

Für den Workshop zeichnete KAICIIDs Programm für die Region Europa und dessen Initiative für sozialen Zusammenhalt verantwortlich.

An der Veranstaltung nahmen prominente politische Entscheidungsträgerinnen und -träger teil, die unter anderem für europäische Ministerien sowie für internationale Organisationen wie den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) und das International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) arbeiten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprachen über Herausforderungen, mit denen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und ihre Eltern in Ländern in ganz Europa derzeit konfrontiert sind. „Nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 wurde die Unterstützung für Kinder mit Migrationshintergrund verwässert“, beklagte Mary Ryan, Vorsitzende der NGO Immigrant Parents and Guardians Support Association, die Eltern mit Migrationshintergrund beim Zugang zu Informationen über das Bildungssystem in Irland unterstützt.

„Die Situation wurde zwar etwas besser, doch die Angebote reichen nicht aus. Die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund hängt tatsächlich von einzelnen Schulen, einzelnen Lehrkräften, einzelnen Schulleiterinnen und -leitern oder einzelnen Initiativen ab, die durchgeführt werden. Es gibt ausgezeichnete Projekte in Irland, doch zu viele Kinder mit Migrationshintergrund fallen durch die Maschen“, berichtete Ryan.

Der Online-Workshop brachte 15 Personen von KAICIIDs Network for Dialogue und 20 Vertreterinnen und Vertreter von SIRIUS zusammen. Darunter waren zivilgesellschaftliche und religiöse Organisationen, Lehrkräfte, Wissenschaftler, Eltern mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund sowie Politikerinnen und Politiker. Sie kamen unter anderem aus Bulgarien, Irland, Slowenien, Polen, Österreich, Griechenland, Serbien, der Schweiz, Italien und Norwegen.

„Unser Hauptziel war es, einen Raum für Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern und Mitgliedern des Network for Dialogue und SIRIUS zu schaffen. Wir wollten erörtern, wie digitale Lehrangebote die inklusive Bildung von Flüchtlingen und Migranten unterstützen können“, erklärt Dr. Aleksandra Djuric Milovanovic, Projektmanagerin beim Network for Dialogue. „Die Zusammenkunft dieser Akteurinnen und Akteure ermöglichte die Arbeit an konkreten Ideen, die in einigen europäischen Ländern versuchen, die digitale Kluft in der Bildung während der Coronavirus-Pandemie, aber auch danach, zu überwinden.“

 

Konkrete Ziele für die Umsetzung setzen

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Ermöglichung einer immersiven Lernerfahrung durch Peer-Learning, ebenso stand der Dialog mit anderen politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie Bildungsexpertinnen und -experten ganz oben auf der Agenda. Es kamen auch kleine Planungsteams zum Einsatz, die Politikerinnen und Politikern sowie Fachleuten halfen, SMART-Ziele zu entwickeln, um sie nach dem Workshop umzusetzen.

Zum Workshop gehörte auch die Suche nach ganzheitlicher Unterstützung in der Bildung und der Dialog mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern, die Verwendung akademischer und sozialer Sprache im Distanzunterricht, die Bedeutung breiterer Unterstützung bei Bildungsthemen für Flüchtlinge in Lagern und neu angekommene Migrantinnen und Migranten sowie Empfehlungen, wie Lehrkräfte und Politikerinnen und Politiker Eltern und migrantische Gemeinschaften unterstützen und mit ihnen in Dialog treten können.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbrachten den zweiten Tag des Workshops damit, an den SMART-Zielen zu arbeiten, um Bildungsangebote für Kinder mit Migrationshintergrund zu verbessern. Mehrere dieser Ziele wurden als umsetzungsreif eingestuft.

„Unser SMART-Ziel ist es, einen Workshop für Interessenvertretungen in Österreich zu organisieren, damit Lehrkräfte eine Fort- oder Weiterbildung erhalten, um den Erstsprachenunterricht im ganzen Land digital anbieten zu können“, erklärte Nadine Punz, Lehrerin an einer Neuen Mittelschule in Wien. „Wir dachten an das Bildungsministerium, Diversitätsbeauftragte, Lehrkräfte, Erstsprachenvermittler und -forscher und natürlich auch an Schüler- und Elternvertreterinnen und -vertreter aus der arabischen und türkischen Gemeinschaft.“

Der Online-Workshop stellte auch eine wichtige Gelegenheit dar, Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie Fachleuten aus der Praxis zu führen. Sie diskutierten über den Nutzen digitaler Bildung und darüber, wie diese in naher Zukunft für die Allgemeinheit angepasst werden könnte. Die globale Coronavirus-Pandemie, die weltweit drei Millionen Todesfälle zur Folge hatte, führte zum Ende des physischen Präsenzunterrichts über den Großteil des Jahres 2020 in vielen Ländern der Welt. Die Coronakrise hat den Wunsch nach einem breiteren Zugang für digitale Bildungsangebote verstärkt. In Europa ist dieser Trend zur Etablierung digitaler Bildung erkennbar, doch auf politischer Ebene gibt es nur begrenzte Kenntnisse darüber, wie inklusive Bildung für Kinder mit Flucht- oder Migrationshintergrund in dieser digitalen Welt sichergestellt werden kann.

Analysen der Schulschließungen des letzten Jahres aufgrund der Coronavirus-Pandemie weisen auf eklatante Bildungsunterschiede zwischen Kindern unterschiedlicher Herkunft hin. Einem McKinsey-Bericht zufolge hat die Pandemie vor allem schwarze, hispanische und indigene Gemeinschaften schwer getroffen. Dem Bericht zufolge hatten schwarze Schülerinnen und Schüler einen Lernrückstand von etwa drei bis fünf Monaten, während weiße Kinder einen Rückstand von etwa ein bis drei Monaten aufwiesen.

Die Beteiligten sprachen über einige der dringendsten Probleme, mit denen Kinder und Familien mit Migrationshintergrund während der Pandemie konfrontiert sind. „Der Umgang mit migrantischen Familien wird als Problem und nicht als Chance gesehen“, meinte Ilaria Ungaro, eine Menschenrechtsaktivistin aus der Lombardei, Italien. „Wir haben auch einen Mangel an Fähigkeiten für die digitale Welt sowie unterschiedliche Niveaus digitaler Kompetenz in den Familien festgestellt. Dieses Problem verstärkte sich während der Pandemie, als sich alles ins Internet verlagerte. So wurde es noch schwieriger, Dialog mit Familien und Lehrkräften zu führen und die Kinder zu unterstützen.“

"Information und Inspiration im Zeitalter digitaler Bildung für Flüchtlinge und Migranten in Europa" verfolgte eine Reihe von Zielen. Dazu gehörten die Verbesserung der Art und Weise, wie politische Entscheidungsträgerinnen und -träger und Fachleute ihre nationalen Pläne und Maßnahmen im Bereich der digitalen Bildung mithilfe von Dialog inklusiver gestalten können, die Stärkung von Kapazitäten der Mitglieder des Network for Dialogue im Bildungsbereich sowie die Entwicklung eines Netzwerks für Bildungsministerien und Expertinnen und Experten zur Verbesserung ihrer Arbeit im Bereich der digitalen Bildung.

Die Workshop-Gruppen brachten einige Pläne für Kampagnen zur Interessenvertretung in den Heimatländern der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hervor. „Basierend auf unserem Wissen über gute Praktiken haben wir beschlossen, an der dualen Bildung zu arbeiten“, erklärte Bistra Ivanova, Vorsitzende der NGO Multi Kulti Collective in Bulgarien, die sich für die Integration von Migrantinnen, Migranten und Flüchtlingen, die Weiterentwicklung von Gemeinschaften und Bildung einsetzt.

„Wir haben beschlossen, eine Lobbykampagne zu starten, um dieses Thema auf die Tagesordnung des Ministeriums und anderer Interessengruppen zu setzen. Daher haben wir einen Plan zur Umsetzung erstellt. Wir legten messbare Indikatoren für die Entwicklung eines Dokuments mit internationalen Fachleuten fest.“

„SIRIUS ist begeistert vom Erfolg des Workshops und den gesammelten Erkenntnissen. Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse die Umsetzung des EU-Aktionsplans für digitale Bildung und der Initiativen für den Europäischen Bildungsraum beeinflussen werden“, so Mialy Dermish, Geschäftsführerin des SIRIUS-Netzwerks. „Inklusion ist ein Muss für ein glückliches, gesundes und widerstandsfähiges Europa, nicht nur während der Pandemie, sondern auch angesichts des von den nationalen Regierungen und der Europäischen Kommission verfolgten Trends zu mehr digitalen Bildungsangeboten.“