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Stimmen des Dialogs: Mitbegründer des Interfaith Mediation Centre in Nigeria erzählen ihre Geschichte des Weges von Konflikt und Gewalt zu Versöhnung und Dialog

13 März 2014

Bei der ersten der geplanten Dialogveranstaltungen begrüßte KAICIID an seinem Hauptsitz in Wien den Imam Dr. Muhammad Nurayn Ashafa und Pastor Dr. James Movel Wuye. Der Imam und der Pastor, wie sie inzwischen allgemein bekannt sind, sprachen mit einem ausgewählten Publikum über ihre Reise zum Dialog, die für sie als Anführer gegeneinander kämpfender Milizen in Nordnigeria begann.

 Die Diskussion fand am Donnerstag, den 13. März um 18:30 Uhr statt und wurde vom Senior Advisor von KAICIID, Professor Mohammed Abu-Nimer, moderiert. Der Pastor und der Imam begannen ihre Reise zum Dialog als Anführer von Milizen, die aufgrund eines gewalttätigen Religionskonflikts in Nordnigeria gegeneinander kämpften. Nachdem dies auf beiden Seiten viele Menschenleben gekostet hatte, trafen sie sich über einen beiderseitigen Freund und nahmen ihre Zusammenarbeit auf. Neunzehn Jahre später sind die beiden Pioniere konfessionsübergreifender Vermittlung in Nordnigeria und sie arbeiten für Frieden in diesem von Unruhen geprägten Teil der Welt. Zusammen führen sie das Interfaith Mediation Centre, das sich für den Ausbau und die Intensivierung eines friedlichen Miteinanders unterschiedlicher Glaubensrichtungen einsetzt, für die Entwicklung von Vertrauen und Beziehungen zwischen geteilten Gemeinschaften und die Unterstützung von Frühwarnsystemen zur Konfliktprävention. Der Pastor und der Imam haben zur Vermittlung in Gemeinschaftskonflikten und zur Einführung von Projekten zur Wirtschaftsentwicklung auf Dialog und dialogbasierte Methoden gesetzt. Darüber hinaus haben sie einen Friedensvertrag zwischen Kampfgruppen im nigerianischen Bundesstaat Kaduna ausgehandelt, mit dem der religiöse Konflikt in dieser instabilen Region in den letzten neun Jahren zurückgegangen ist. Zu den Herausforderungen beim Dialogaufbau in Krisengebieten sagte Imam Ashafa: „Wenn man in einem Krisengebiet lebt, wird einem eingeimpft, den ‚Anderen‘ als Feind zu sehen. Dem ‚Anderen' dürfe man nicht trauen.“ „Beim Dialog geht es darum, mit der Person ‚über die rote Linie hinweg' zu reden, sagte Pastor Wuye. „Reden, reden und noch mehr reden.“ Auf eine Frage aus dem Publikum antwortete er, indem er außerdem darauf hinwies, wie wichtig der Respekt vor der eigenen Religion und der Religion der Anderen sei. Imam Ashafa erläuterte die gemeinsamen Werte des Friedens in Religionen auf der ganzen Welt: „Ich muss ihn respektieren, da es meine Heilige Schrift vorschreibt. Sie schreibt vor, dass ich jeden Menschen respektieren soll.“ Zugleich wurde auch gesagt, dass Respekt vor anderen Religionen nicht bedeutet, andere religiöse Überzeugungen mit den eigenen zu verschmelzen. „Zusammenkommen, einander respektieren, aber die Grenzen beibehalten“, sagte Pastor Wuye. KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar äußerte sich dazu folgendermaßen: „Wir von KAICIID haben den Auftrag, den Dialog als Weg zum Frieden zu unterstützen. Keine Geschichte könnte die Macht des Dialogs besser aufzeigen als die von Imam Ashafa und Pastor Wuye. Sie sind große Risiken eingegangen, um die – geschichtlich, kulturell und religiös bedingte – Kluft zwischen ihnen zu überwinden und sich den gemeinsamen Zielen des Friedens und des Zusammenlebens zuzuwenden. Es ist uns eine Ehre, sie hier in unserem Saal des Dialogs begrüßen zu dürfen, damit sie uns ihre einzigartige Geschichte von Risiko und Versöhnung erzählen können.“ Über den Pastor und den Imam. Imam Dr. Muhammad Nurayn Ashafa und Pastor Dr. James Movel Wuye sind ein muslimischer Geistlicher und ein christlicher Pastor, die sich gemeinsam für das Ende gewalttätiger Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen in Nigeria einsetzen, und zwar durch das von ihnen gemeinsam geleitete Interfaith Mediation Centre. Muhammad Nurayn Ashafa, der Sohn eines islamischen Gelehrten wurde in eine konservative islamische Familie hineingeboren, in der es bereits seit dreizehn Generationen muslimische Geistliche gab. Er wurde Anführer einer militanten islamischen Gruppe und Generalsekretär der Muslim Youth Councils, der muslimischen Jugendbeiräte. Pastor James Movel Wuye wurde als Sohn eines Soldaten, der im Biafra-Krieg kämpfte, im nigerianischen Bundesstaat Kaduna geboren. In den 1980er und 1990er Jahren war er an militanten christlichen Aktivitäten beteiligt und diente acht Jahre lang als Generalsekretär des kadunischen Kapitels der christlichen Jugendorganisation Nigerias, einer Schirmorganisation für alle christlichen Gruppen in Nigeria. Er erzählt, dass sein „Hass gegen Muslime keine Grenzen kannte“. In den 1990er Jahren führten Pastor James Wuye und Imam Muhammad Ashafa einander bekämpfende, bewaffnete Milizen an, die jeweils ihre Gemeinschaften verteidigen wollten, als es in Kaduna, Nordnigeria, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. In schweren Schlachten verlor Pastor James seine Hand, und Imam Ashafas geistlicher Mentor und zwei seiner engen Verwandten kamen ums Leben. Bei einem zufälligen Treffen im Jahr 1995 kamen die beiden Geistlichen jedoch an einem Tisch zusammen. Ihr Ziel besteht heute darin, ein friedliches Miteinander durch konfessionsübergreifende Zusammenarbeit und gemeinschaftsbasierte Bildung zu erreichen. Zusammen haben sie ein Frühwarnsystem entwickelt, das es Gemeinschaften ermöglicht, potenziell instabile Situationen zu erkennen und das die Mittel zur Verringerung der Spannungen bereitstellt. Ihre Arbeit hat inzwischen auch Burundi, Nordghana und Kenia erreicht. Sie kamen außerdem in einem Film mit dem Titel „An African Answer“ (Eine afrikanische Antwort) vor, in dem ihr dramatisches Flehen um Versöhnung im kenianischen Rift Valley thematisiert wurde, mit dem sie die Tötung von Menschen in den Gemeinden nach Gewaltausbrüchen im Anschluss an die Wahlen Anfang 2008 beenden wollten. Der Imam und der Pastor wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem ersten Fondation Chirac Conflict Resolution Prize, dem Hessischen Friedenspreis von der Albert-Osswald-Stiftung und dem Interfaith Cooperation Award von der Organisation Search for Common Ground. 
Die Serie „KAICIID – Stimmen des Dialogs“. Welche Rolle spielt der Dialog bei der Versöhnung zwischen Personen und Gemeinschaften über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg? KAICIID stellt diese entscheidende Frage wichtigen im Dialog tätigen Akteuren, die große Risiken eingegangen sind, um Stereotype zu überwinden, Kluften zu überbrücken und Beziehungen zu verändern. Die Redner dieser Veranstaltungen werden über Erfahrungen aus ihrer Arbeit berichten sowie über die Risiken und Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. Jede Tagung wird auch Zeit für den Dialog vorsehen. Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung erhalten Sie unter [email protected]