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Reform der Lehrpläne für die interreligiöse Erziehung in Kenia

10 Dezember 2014
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Religiöse Erziehung und entsprechende Bildungsreformen sind ein wichtiger Beitrag für den Aufbau sozialer Kohäsion in Ländern wie Kenia. Die Teilnehmer von KAICIIDs Arbeitstreffen zu interreligiöser Erziehung erklären die Hintergründe von Kenias letzter Bildungsreform.

Am 10. und 11. Dezember 2014 organisierte KAICIID ein Arbeitstreffen von Bildungsexperten und Politikberatern, um Methoden und Tools für die interreligiöse Erziehung auszutauschen. Teilnehmer aus der ganzen Welt reisten zu diesem Event an, aus Ländern wie Indien, Kenia, Korea, Libanon, Norwegen, Saudi-Arabien, Südafrika und Spanien.

Zwei Teilnehmer aus Kenia, Religionsexperten, die an der aktuellen Debatte über die Bildungsreform beteiligt sind, sprachen mit KAICIID über dieses Thema. Schwester Angelica Obaga ist Koordinatorin für den Lehrplan für religiöse Studien am kenianischen Institut zur Lehrplanentwicklung (Kenya Institute of Curriculum Development – KICD) in Nairobi. Das kenianische Institut für Lehrplanentwicklung ist beauftragt mit Forschung und Lehrplanentwicklung für alle Klassen unterhalb der Hochschulebene. 

Mohammed Belall Maudarbux ist Netzwerk- und Programmmanager des Global Network of Religions for Children (GNRC) und leitet die Implementierung des Programms ‘Learning to Live Together’. Das GNRC ist ein globales Netzwerk, das Kinderrechtsorganisationen unterstützt und sich in verschiedensten Kontexten und Ländern um die besonderen Bedürfnisse von Kindern kümmert. Zu den Prioritäten des GNRC gehören der Kampf gegen die Armut sowie der Einsatz für Kinderrechte, für ethische Erziehung und für den Schutz von Kindern und jungen Menschen.

Formelle vs. informelle Bildung

Kenias 41 Millionen Einwohner (laut Statistik von 2011) sind in der Mehrzahl christlich, es gibt jedoch eine nicht zu vernachlässigende muslimische Minderheit von 12 Prozent. Tragische Zwischenfälle wie die Anschläge im November 2014 in der Nähe von Mombasa und die Polizeiaktionen gegen fünf Moscheen, die gestürmt und anschließend geschlossen worden, sind Ausdruck schwerer interreligiöser Spannungen im Land. Diesem Zusammenhang muss, neben zahlreichen anderen Faktoren, bei der Entwicklung von Lehrplänen für kenianische Schulen Rechnung getragen werden. Im Rahmen dieser Debatte müssen die Auswirkungen formeller und informeller interreligiöser und religiöser Erziehung genauer betrachtet werden. Im formellen kenianischen Schulsystem findet der Religionsunterricht hauptsächlich in der eigenen Konfession der Schüler statt. Bei der letzten Lehrplanreform lag der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Kompetenzen, die die soziale Kohäsion fördern. Schwester Obaga erklärte, zu diesen Kompetenzen gehörten „Entscheidungsfindung, kritisches Denken, friedliche Koexistenz, Zusammenleben, Friedfertigkeit, Verantwortlichkeit und Verständnis. Dies sollte dafür sorgen, dass Christen und Muslime keine Probleme [miteinander] haben.“

Die institutionelle Bildungsreform ist jedoch nur ein Aspekt der Verbesserung der interreligiösen und religiösen Erziehung in Kenia und auf der ganzen Welt. Maudarbux beschrieb die Arbeit des Global Network of Religions for Children in Kenia: „Wir sind im informellen Sektor tätig, deshalb gestalten wir Programme, um Lücken im Bereich des Zusammenlebens und des gemeinschaftlichen Widerstands gegen gewaltbereiten Extremismus zu schließen. Auf der formellen Ebene nehmen wir an dieser Diskussion jedoch nicht teil.“ Diese informelle Arbeit, etwa gegenseitige Besuche der jeweiligen Religionsstätten, ist ein wichtiger Beitrag zum Bildungsangebot für junge Menschen in Kenia.

„Das Reich der Politik kann nicht ignoriert werden“

„Die Lehrplanreform ist ein Werkzeug des Social Engineering“, betonte Maudarbux. Deshalb sei die Diskussion über religiöse Erziehung und entsprechende Reformen so wichtig, wenn es um den Aufbau sozialer Kohäsion in Ländern wie Kenia geht. Maudarbux wies auf die Freiheit und Flexibilität bei der Behandlung kontroverser oder sensibler Themen und Inhalte hin, die die informelle Bildung bietet. Er betonte die große Bedeutung der Arbeit des GNRC in Kenia, denn wenn es um Lehrplanreformen geht, lasse sich das Reich der Politik nicht ignorieren. Es beeinflusse schließlich maßgeblich die formellen Lehrpläne und damit auch das Bildungsangebot für Schüler im Religionsunterricht in ihrer jeweiligen Glaubensrichtung. Dies ist in öffentlichen Schulen oft schwierig, wo entsprechende Optionen für religiöse Minderheiten nicht existieren. Deshalb kann eine Zusammenarbeit zwischen Staat und Nichtregierungsorganisationen in diesem Bereich eine große Hilfe für Länder wie Kenia sein, die aufgrund der durch das Schulsystem zementierten Ungleichheiten mit langwierigen sozialen Konflikten zu kämpfen haben.

Dass diese Debatte in Kenia überhaupt stattfindet, ist ein Ergebnis der aktuellen Vorkommnisse im Land. Schwester Obaga erklärte: „Deshalb reformieren wir die Lehrpläne. Denn wie sollen wir gemeinsam zusammenleben angesichts dessen, was gerade in unserem Land passiert? Es gibt daher neue Herausforderungen an die interreligiöse Erziehung, etwa die Frage: Wie können wir friedlich mit den Muslimen zusammenleben? Wie können wir friedlich mit den Hindus zusammenarbeiten? Oder mit den Christen?“

Das KAICIID-Treffen zum Programm Interreligiöse Erziehung war das erste seiner Art. Interreligiöse Erziehung wurde auf der Sonderkonferenz „Gemeinsam gegen Gewalt im Namen der Religion“ im November 2014 von KAICIID zur Priorität erklärt, und dieses Treffen im Dezember 2014 war ein Meilenstein für die weitere Arbeit in diesem Bereich. Im Hinblick darauf, dass es sich hier um ein globales Treffen handelte, waren sowohl Maudarbux als auch Obaga der Ansicht, dass regionale Konferenzen ein wichtiger nächster Schritt für die Diskussion über interreligiöse Erziehung seien. „[Es ist wichtig, dieses Thema] zunächst auf einer regionalen Basis zu behandeln. Danach können wir dann die globale Ebene in Angriff nehmen“, sagte Maudarbux. „Natürlich ist es hilfreich, von verschiedenen Ländern und Regionen mit anderen Religionen, Bedingungen und geschichtlichen Hintergründen zu lernen. Aber der regionale Ansatz ist der richtige nächste Schritt, um den Dialog zwischen Vertretern von Politik, Bildungswesen und Verwaltung zu fördern.“ Obaga stimmte zu: „Ich glaube, das ist ein gutes Forum für diese Art von Diskussion. ... Doch es gibt so viel verschiedene Religionen und Kulturen ... wenn man über interreligiöse Erziehung spricht, ist es schwierig, Kompromisse zu finden, denn wir sprechen über etwas, das den Menschen heilig ist.“

Diskussion und Austausch über Praktiken und Strategien zur Verbesserung der interreligiösen Erziehung auf der ganzen Welt ist ein wichtiger Beitrag zur Förderung von besserem Verständnis und sozialer Kohäsion zwischen den Kulturen. KAICIIDs Arbeit in diesem Bereich wird weitergehen und die neuesten Entwicklungen unterstützen, die dazu beitragen, dass die Jugend genauer und nuancierter über Religion und Kultur der „Anderen“ unterrichtet wird, auf eine Weise, die das gegenseitige Verständnis fördert.

Hier erfahren Sie mehr über das Kenya Institute of Curriculum Development (kenianisches Institut zur Lehrplanentwicklung). 

Hier erfahren Sie mehr über das Global Network of Religions for Children (Globales Netzwerk der Religionen für Kinder).