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KAICIID stellt den COVID-19-Leitfaden in virtueller Veranstaltung mit Vertretern aus Religion und Gesundheitssektor vor

16 Dez 2020

Während der virtuellen Auftaktveranstaltung für KAICIIDs interreligiösen Leitfaden zur Pandemiehilfe betonten Fachleute aus den Bereichen Religion, Wissenschaft, Menschenrechte und öffentliche Gesundheit die Bedeutung interreligiöser Zusammenarbeit, um der globalen Bedrohung COVID-19 zu begegnen.

Die Veranstaltung mit dem Titel „#DialogueDespiteDistance: Ressourcen um COVID-19 zu bekämpfen“ fand am 15. Dezember statt. Die Gäste stellten praktische Beispiele für koordinierte interreligiöse Krisenhilfe vor.

Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich aus Ländern rund um den Globus zuschalteten, gehörten Faisal bin Muaammar, KAICIID-Generalsekretär; Dr. Mohammed Abu-Nimer, KAICIID-Chefberater und Mitautor des Leitfadens; Dr. Kezevino Aram, KAICIID-Direktoriumsmitglied; Dr. Aleksandra Djurić Milovanović, KAICIID Fellow und Mitverfasserin des Leitfadens; Bani Dugal, Vertreterin der Internationalen Bahá'í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen; Imam Sheikh Mohammad Ismail DL, prominenter britischer muslimischer Gelehrter; Rev. Dr. Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes; Prof. Katherine Marshall, Senior Fellow am Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs der Georgetown University; Justina Mike Ngwobia, KAICIID Fellow und Friedensstifterin in Nigeria und Saydoon Nisa Sayed, Menschenrechtsaktivistin aus Südafrika.   

Zu Beginn der Diskussion erinnerte bin Muaammar daran, dass das Coronavirus den interreligiösen Dialog vor viele Herausforderungen gestellt hat, aber auch seine Relevanz und Dringlichkeit bewiesen wurden.

„Seit dem Beginn der Pandemie haben wir neue und kreative Wege gesehen, wie religiöse Gemeinschaften auf der ganzen Welt auf das Virus reagieren und Initiativen starten, die eine Trennung der Gemeinschaften, Isolation, Verschwendung von Ressourcen und Misstrauen verhindern“, so bin Muaammar.

Der KAICIID-Leitfaden, der letzte Woche veröffentlicht wurde, stützt sich auf diese Beispiele aus der Praxis und bietet nützliche Ratschläge für Glaubensgemeinschaften, die sich den schwierigen Situationen rund um COVID-19 stellen müssen, wie zum Beispiel der Zunahme von Vorurteilen und Hassrede sowie der Notwendigkeit, Gottesdienste und Seelsorge in die digitale Welt zu verlegen.

Diese Herausforderungen zeichneten sich schon bald nach der globalen Verbreitung des Virus ab, erklärte Abu-Nimer, der eine wichtige Rolle bei der Formulierung des Leitfadens spielte. 

„Ich habe mich gefragt, warum es in den ersten zwei oder drei Monaten der Pandemie nur sehr wenige interreligiöse Stimmen als Reaktion auf COVID-19 gab“, berichtete er.

Abu-Nimer glaubt, dass dies oft daran liegt, dass die Obleute religiöser Gemeinschaften darauf trainiert sind, sich zuerst um ihre eigenen Familien und Gemeinden zu kümmern, bevor sie sich anderen zuwenden. Ein Instinkt, der oft groß angelegte, koordinierte Krisenmaßnahmen behindert. So werden weit verbreitete Herausforderungen nicht adäquat angesprochen.

„Bis religiöse Führerinnen und Führer sich die Frage stellen: 'Was und wie sollte ich mit anderen Gruppen zusammenarbeiten?', stecken wir schon tief in der Krise.“

Abu Nimer wies auf die aktuelle Pandemie als ein Paradebeispiel dafür hin, dass eine koordinierte interreligiöse Reaktion entscheidend ist, um weitere globale Krisen zu verhindern, die von Gewalt und Unruhen angetrieben werden. „In Abwesenheit von interreligiösem Dialog gären Angst und Misstrauen gegenüber 'dem Anderen' und schüren Fremdenfeindlichkeit und religiöse Intoleranz.“

Aram fügte hinzu, dass das Virus als „großer Gleichmacher“ bezeichnet wurde, der alle Gemeinschaften unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder religiösen Tradition bedroht.

„Wir wissen, dass die Pandemie mehr als zweihundert Länder erfasst hat. Wir wissen, dass sie viele, viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt betrifft“, erklärt Aram, die sich in ihrem Heimatland Indien für Initiativen zur Entwicklung von Kindern und zum interreligiösen Dialog einsetzt.

„Das Virus hat die Reichen nicht verschont, es hat die Armen nicht verschont. Es hat keinen Hindu verschont, es hat keine Christin verschont. Es ist ein sehr nicht-diskriminierendes Virus.“

Die Antwort darauf, fährt sie fort, sind Geduld und Verständnis, die in allen Religionen zentral sind.

„Zum ersten Mal haben wir erkannt, dass wir einander zuhören müssen. Hier kommt der Wert unserer Traditionen ins Spiel. In der hinduistischen Tradition heißt es, wenn du jemanden wirklich ehren willst, öffne dein Herz, öffne deine Ohren und öffne deinen Geist.“

Interreligiöse Synergien sind ein zentrales Thema, das sich durch den COVID-19-Leitfaden des Dialogzentrums zieht. Das Dokument gibt Empfehlungen für Initiativen wie konfessionsübergreifende öffentliche Gebete, gemeinsame Solidaritätserklärungen und die Zusammenarbeit bei Hilfsmaßnahmen ab.

Junge bot dem virtuellen Publikum am Dienstag ein erbauliches Beispiel für diese Einmütigkeit in Aktion. Er verwies auf einen Brief, den der Mufti des Islamischen Religionsrates von Singapur im April an den Nationalen Kirchenrat in Singapur geschickt hatte. Darin brachte dieser sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass die Notwendigkeit der räumlichen Distanz sie daran hinderte, an gemeinsamen Osterfeierlichkeiten teilzunehmen.

„Sie drückten ihre Solidarität mit ihnen aus - was für ein starkes Signal“, meinte Junge und bemerkte, dass Singapurs christliche Gemeinde die Geste erwiderte, als die Ramadan-Feiern in ähnlicher Weise durch COVID-19-Restriktionen eingeschränkt wurden.

Marshall warf jedoch ein, dass diese Bekundungen des guten Willens zwar wichtig sind, die Religionsgemeinschaften aber noch weiter gehen müssen, indem sie die wichtigen Botschaften zur öffentlichen Gesundheit verbreiten, insbesondere in Bezug auf Impfungen.

„Wir haben neue Hoffnung, mit der Zulassung und dem Beginn der Impfungen aus dem aktuellen Krisenmodus herauszukommen. Es gibt aber auch einige große Probleme mit dem Impfstoff, wie enormes Zögern, schreckliche Fehlinformationen und Zweifel“, so Marshall.

„Es ist eine große strategische Herausforderung für die Religionsgemeinschaften, herauszufinden, worauf die Zweifel beruhen, Dialog darüber zu führen, wie man sich engagieren kann und wie man die begründeten und unbegründeten Ängste, die die Menschen haben, ansprechen kann.“

Dies gilt besonders in Teilen der Welt, wo das Vertrauen in die Regierung gering ist, so Elder Justina Mike Ngwobia. Ihre Erfahrungen mit der lokalen interreligiösen Arbeit in Nigeria halfen bei der Erstellung des COVID-19-Leitfadens des Zentrums. Darin wird die Bedeutung von religiösen Akteurinnen und Akteuren beschrieben, wenn die Bevölkerung den Autoritäten misstraut.

„In Nigeria sind die religiösen Führerinnen und Führer die ersten Ansprechpartner in Krisensituationen“, so Ngwobia im Webinar.

„Während der Besprechungen zur Sensibilisierung mussten wir den Menschen in unseren Gemeinden wirklich begreiflich machen, dass COVID-19 eine Realität ist. Es war sehr schwer für sie zu verstehen, weil sie der Regierung nicht vertrauten und dachten, es sei nur eine weitere Möglichkeit, die Bevölkerung zu bestrafen.“

Bin Muammar hoffte, dass die Empfehlungen, die im Leitfaden von Mitwirkenden wie Ngwobia geteilt werden, anderen helfen werden, die Herausforderungen der Pandemie zu meistern.

„Wir haben versucht, einen praktischen, umsetzbaren Leitfaden für alle zu erstellen, die diese Ergebnisse in ihrer eigenen Gemeinschaft erzielen wollen“, so der Generalsekretär.

„Das ist der Kern unseres Mandats, das darin besteht, einen Raum zu schaffen, in dem diese Diskussionen stattfinden können und in dem man um Unterstützung bitten und sie finden kann.“

Den Interreligiösen COVID-19-Leitfaden des Internationalen Dialogzentrums (KAICIID) können Sie hier lesen.