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KAICIID startet Initiativen zum Erhalt der religiösen und kulturellen Vielfalt im Irak und in Syrien

18 Dez 2014

Auf der KAICIID-Sonderkonferenz „Vereint gegen Gewalt im Namen der Religion“ trafen sich am 18. und 19. November 2014 in Wien hochrangige Religionsvertreter der christlichen, drusischen, mandäischen, muslimischen und jesidischen Gemeinden im Nahen Osten.
Diese Religionsvertreter sprachen für Gemeinden, deren Anhänger derzeit unter Verfolgung leiden oder aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Die Gewalt im Namen der Religion im Irak und in Syrien bedroht das Überleben der religiösen Minderheiten, das soziale und religiöse Gefüge der Beziehungen zwischen den Religionsgemeinschaften und die muslimischen und christlichen Einrichtungen und Gemeinden in Syrien und im Irak.
Um die religiöse und kulturelle Vielfalt zu erhalten, die sich in den vergangenen tausend Jahren in dieser Region entwickelt hat, haben die Religionsvertreter jegliche Gewalt im Namen der Religion einhellig verurteilt und sich auf eine Reihe von Empfehlungen geeinigt.

Empfehlungen

Diese Empfehlungen beziehen sich insbesondere auf den sozialen Zusammenhalt, das Verbreiten positiver Botschaften und die Bekämpfung des extremistischen Diskurses in den traditionellen und sozialen Medien. Im Fokus stehen außerdem das Verbreiten von Lerninhalten zum Dialog und den Religionen der Welt, die Ausweitung der Fähigkeiten von Religionsvertretern und Jugendlichen zur Unterstützung von Pluralität und Diversität und der Aufbau einer regionalen Infrastruktur, damit diese Maßnahmen nachhaltig sein können.

Allgemeine Empfehlungen

●    Sofortiger Aufruf zur Beendigung der Gewalt im Namen der Religion; 
●    Ermutigung von Religionsvertretern zur Verurteilung jeglicher Gewalt gegen andere, egal ob es sich dabei um Menschen der eigenen oder anderer Traditionen handelt, um Mehrheiten oder Minderheiten, und Aufforderung zum Respektieren ihrer Rechte;
●    Hervorhebung der Bürgergesellschaft in der Bildung und im Hinblick auf den sozialen Zusammenhalt;
●    Verbesserung der nationalen politischen Maßnahmen, gesetzlichen Strukturen, der Möglichkeiten zur persönlichen Begegnung und anderer Aspekte in Bezug auf das Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten, die Jugend, Frauen, lokale Gemeinden sowie Religionsgelehrte;
●    Proaktive Umsetzung von verstärkt dialogorientierten Projekten;
●    Fokussierung auf die Beziehung zwischen Religionen und Staaten, intensivere Gespräche über Trennung einerseits und Harmonisierung andererseits;
●    Unterstützung von Vertriebenen und Flüchtlingen einschließlich erneuter Integration in ihre Heimat.

Sozialer Zusammenhalt

●    Ermutigung der Gesetzgeber und Politiker in überwiegend muslimischen Ländern zur Stärkung der Gesetze gegen Gewalt im Namen der Religion;
●    Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit als Hauptfaktoren für Extremismus (Wirtschaftswachstum ist Teil der Lösung);
●    Entwicklung von hilfreichen selbstkritischen Werkzeugen und Methoden im Rahmen von Religionen, deren Auslegungen und religiösen Texten;
●    Aufruf an alle internationalen und religiösen Organisationen zur Unterstützung insbesondere der jesidischen Minderheiten.

Medien

●    Erarbeitung von positiven Kampagnen als Gegenmaßnahmen zu extremistischen Kampagnen. Aussendung von positiven Botschaften zur Unterstützung von Stimmen des Mainstreams;
●    Aufbau von Beziehungen zu den Medien und Schulungen zum Thema „Image of the Other“;
●    Investieren in die Jugend als Botschafter des Friedens;
●    Aufbau eines Basisnetzwerks der Jugend für den Austausch unter jungen Menschen;
●    Aufbereitung verfügbarer Informationen für die sozialen Medien, da dort junge Menschen am besten erreichbar sind.

 

Bildung

●    Überarbeitung von Grundsätzen für Lehrpläne und Überprüfung von Religionslehrplänen (zum Beispiel durch Erarbeitung eines Leitfadens der Weltreligionen für religiöse Vielfalt);
●    Reformierung von Bildungssystemen im Hinblick auf das „Image of the Other“ und interreligiöse Beziehungen;
●    Aufbau eines formellen Rahmens für Dialog und Austausch anhand von religiösen Texten, in denen der Dialog propagiert wird;
●    Einbindung von Religionsvertretern in die Erarbeitung von Lehrplänen, in die Stärkung der Bürgergesellschaft und in die Unterstützung des soziokulturellen Wandels;
●    Schulung von Lehrplanentwicklern, Lehrern und Ausbildern, um das Konzept des Dialogs in die Lehre einzubeziehen;
●    Ausweitung des Austauschs von Programmen im Bildungssektor und zwischen Gemeinschaften.

 

Handlungsempfehlungen

●    Sammeln, Auswerten, Anerkennen und Fördern von Erfolgsgeschichten interreligiöser und friedensfördernder Initiativen;
●    Vermittlung von Inhalten des interreligiösen Dialogs und Schulung von Religionsstudenten, unter anderem durch Erarbeitung von Lehrplänen zum interreligiösen Dialog;
●    Schulung von Religionsvertretern zur Verbreitung von Werten der Vielfalt und Bürgergesellschaft;
●    Aufbau eines Netzwerks lokaler Religionsvertreter, die von Vielfalt und Pluralismus überzeugt sind;
●    Aufbau einer Plattform in den sozialen Medien zur verstärkten Verbreitung gewichtiger moderater Stimmen;
●    Schulungen für eine große Zahl junger Menschen und Vermittlung von Fähigkeiten im Umgang mit sozialen Medien;
●    Schaffung eines regionalen Implementierungskomitees zur Umsetzung der Empfehlungen.

 

KAICIID-Initiativen

Auf Grundlage dieser Empfehlungen wurden einige KAICIID-Initiativen vom KAICIID-Direktorium für die Umsetzung im Jahr 2015 freigegeben. Die Initiativen binden UN-Organisationen ein, zum Beispiel das Entwicklungsprogramm UNDP, das Büro des UN-Sonderberaters zur Genozidprävention, den UN-Sonderbotschafter für die Jugend und die UNESCO, sowie weitere internationale religiöse und zivilgesellschaftliche Organisationen. KAICIID wird sich als Partner einbringen, um die Einbindung von Religionsvertretern in die Gewaltprävention zu unterstützen, Religionsvertreter und Jugendliche zu ermächtigen, sich über traditionelle und soziale Medien an eine größere Öffentlichkeit wenden zu können und für Pluralismus einzutreten, um Lehrkräfte bei der Förderung von Pluralismus durch interreligiöse Bildung zu unterstützen, und um ein Netzwerk arabischer religiöser Einrichtungen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts zu schaffen.

Zusammenarbeit zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts in Irak und im arabischen Raum

KAICIID arbeitet mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und anderen Partnern aus der Region zusammen, um Wissen über den sozialen Zusammenhalt zu schaffen, um Kontakte zu Jugendlichen, Frauen, Religionsvertretern und den Medien zu unterstützen, um die Erarbeitung von Lehrplänen zu fördern, die Werte wie Frieden, Akzeptanz und Gleichheit vermitteln, um gemeinsam die Verwundbarkeit von Gemeinschaften zu beheben, in denen Flüchtlinge in großer Zahl aufgenommen wurden, sowie um den Frieden zwischen Gemeinschaften zu fördern.

Gewaltprävention

KAICIID arbeitet mit dem Büro des UN-Sonderberaters zur Genozidprävention zusammen, um Religionsvertreter in die Lage zu versetzen, gewalttätige Akte frühzeitig vorherzusagen und vermeiden zu können. Das Projekt wird auf einer Konferenz im März 2015 gestartet.
Ermächtigung von Religionsvertretern und Jugendlichen, um sich an eine breite Öffentlichkeit wenden und für Pluralismus eintreten zu können
●    KAICIID versetzt Jugendliche in verantwortlichen Positionen in die Lage, die neue Generation beim Erhalt von Pluralismus sowie religiöser und kultureller Vielfalt für die Zukunft zu unterstützen. So werden wir im Frühjahr 2015 in Partnerschaft mit dem UN-Sonderbotschafter für die Jugend und mit der Right Start Foundation International Vertreter der Jugend im Dialog und im Durchführen von dazugehörigen Maßnahmen schulen. Diese jungen Menschen werden dann in der Lage sein, Gleichaltrige zu schulen, um durch interreligiösen Dialog den Pluralismus in ihren Gemeinden zu unterstützen. Gleichzeitig werden die Schulungen die Fähigkeiten junger Journalisten und Medienaktivisten stärken, eine breitere Öffentlichkeit mit Botschaften zur Unterstützung des Pluralismus zu erreichen.  
●    Junge Menschen treten mit ihrer Welt über soziale Medien in Kontakt. KAICIID schult Jugendliche und Religionsvertreter, um die Reichweite ihrer Botschaften für Pluralismus in den sozialen Medien zu erhöhen. KAICIID hat zudem 2014 mit der UNESCO an Projekten zum Umgang mit Medien zusammengearbeitet und wird beide Projekte im Jahr 2015 ausweiten.

 

Lehrende bewahren Vielfalt durch interreligiöse Bildung

Auch Lehrende sind zentrale Partner für KAICIID, denn sie vermitteln einer neuen Generation eine Kultur, die sozialen Zusammenhalt und Dialog wertschätzt und erhält. Gemeinsam mit der Adyan Foundation, einer libanesischen NGO, die sich für interreligiöse Verständigung und soziales Engagement einsetzt, sowie mit weiteren regionalen Partnern wird KAICIID im März 2015 eine Konferenz zur Unterstützung der interreligiösen und interkulturellen Bildung im Nahen Osten veranstalten. 

 

Netzwerk arabischer religiöser Einrichtungen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts

●    KAICIID arbeitet an einem Netzwerk muslimischer und christlicher Einrichtungen, Universitäten und Organisationen der Zivilgesellschaft im arabischen Raum. 
●    KAICIID engagiert sich zudem gemeinsam mit der ISESCO, der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) und arabischen zivilgesellschaftlichen Organisationen für die Aufnahme des interreligiösen Dialogs und des Pluralismus in Universitätslehrpläne.

 

Über KAICIID

Im KAICIID-Vorstand sind Vertreter von fünf großen Weltreligionen versammelt: Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum. Das KAICIID-Dialogzentrum (Internationales König-Abdullah-Bin-Abdulaziz-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog) wurde gegründet, um den Dialog zwischen den Anhängern verschiedener Religionen und Kulturen in der Welt zu ermöglichen und zu fördern. Das in Wien ansässige Zentrum ist eine von Österreich, Saudi-Arabien und Spanien sowie dem Heiligen Stuhl als beobachtendem Gründungsmitglied gegründete internationale Organisation. Die genannten Länder bilden den Rat der Vertragsparteien, der die Arbeit des Zentrums beaufsichtigt.