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Gottes Gaben und Berufung sind unwiderruflich

16 April 2016
Chief Rabbi David Rosen

Oberrabbiner David Rosen

16. bis 17. Mai 2016

Cambridge

Chief Rabbi David Rosen sprach über die Festlegung der Tagesordnung für das jüdisch-christliche Gespräch im Hinblick auf das 50. Jubiläum von Nostra Aetate an der Universität Cambridge am 16. Mai 2016.

Rabbiner David Rosen war der Oberrabbiner von Irland und der Rabbi der größten orthodoxen jüdischen Gemeinde in Südafrika. Heute ist er einer der prominentesten jüdischen Führer im Bereich der interreligiösen Beziehungen.

Hintergrund

Vor fünfzig Jahren veröffentlichte das Zweite Vatikanische Konzil ein epochales Dokument über die Beziehungen zu Juden und zum Judentums. Es trug den Titel "Nostra Aetate", das heißt übersetzt "in unserer Zeit". Es symbolisiert eine Transformation in den jüdisch-christlichen Beziehungen. Ein führender amerikanischer Kämpfer gegen Antisemitismus, der Priester Edward Flannery, sagte sie "beendet mit einem Strich eine tausendjährige Lehre der Verachtung gegen Juden und das Judentums und betont einstimmig, was die Kirche ihren jüdischen Wurzeln zu verdanken hat." Vor allem führte es in eine neue Ära, zu neuen Einstellungen und zu einem völlig neuem Diskurs in der katholischen Kirche über Juden. Das Konzept eines Dialogs trat nun die Beziehung.

Fünf Jahrzehnte später veröffentlichte die Kommission des Heiligen Stuhls für die religiösen Beziehungen zum Judentum (Dezember 2015) ein neues Dokument, "die Gaben und die Berufung von Gott sind unwiderruflich". Dieses legt eine theologische Agenda für künftige Diskussionen.

"Die Gaben und die Berufung Gottes unwiderruflich sind" befasst sich insbesondere mit einem Dilemma im Herzen vom christlichen Verständnis des Judentums. Auf der einen Seite steht in der"Nostra Aetate": "Gewiss ist die Kirche das neue Volk Gottes". Andererseits heißt es in Römer 11:28-29: "Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorfahren erwählt hat, bleiben sie sein geliebtes Volk. Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er die Zusage, dass er jemanden auserwählt hat." Die entscheidende theologische Frage in der heutigen Beziehung ist, inwieweit können Christen das Judentum in seinem Kontext als gültig betrachten und vice versa?

Der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Juden und das Woolf-Institut laden dazu ein, wichtige theologische Fragestellungen, die sich aus dem Dokument ergeben, zu diskutieren.

Ein Thema, das diskutiert werden soll, betrifft die Erlösung. Bei der Vorlegung des neuen Dokuments sagte Kardinal Koch, dass sein theologische Kernstück folgendes besagt: Juden können gerettet werden können, auch wenn sie nicht an Christus glauben. Dies bleibt "ein unergründliches Mysterium im Heilsplan Gottes." "Da Gott seinen Bund nie widerrufen hat", sagte der Kardinal, "kann es nicht verschiedene Ansätze zur Erlösung durch Gott geben. Es gibt nur einen Gott, der Gott Israels, der sich Jesus Christus offenbarte. Wie die Erlösung ohne den Glauben an Jesus Christus möglich sein kann, ist ein göttliches Geheimnis, das von den Menschen nicht aufgelöst werden kann, aber dass die Juden ein Teil von Gottes Erlösung sind, ist jenseits einer theologischen Diskussion."

Aus christlicher Sicht erfordert diese Tatsache eine Reflexion über die innere Beziehung zwischen Christentum und Judentum. Darüber hinaus auch über den 2000 jährigen Fortbestand und die Vitalität des Judentums - ist dies das Geheimnis Israels, über welches Paulus in seinem Brief an die Römer sinniert?

Manche Fragen müssen auch von Juden in Betracht gezogen werden. Zum Beispiel: Was ist die göttliche Absicht hinter der Gründung des Christentums? Was sind die Implikationen für jüdische Gläubige, dass auf Grund eines jüdischen Jesus nun zwei Milliarden Christen die jüdische Bibel lesen? Ebenso wichtig für die Juden wäre es die Bedeutung des Bundes zu berücksichtigen, der Abraham versprochen und Moses offenbart wurde.  Ist es den Juden möglich, für die Christen einen theologischen Raum zu schaffen, damit sie ihre eigene besondere Beziehung zu Gott besitzen können? Können Sie die christlichen Wahrheitsansprüche anerkennen?

Der Zweck dieser Versammlung ist es für Sie, die führenden Denker der Welt in den jüdisch-christlichen Beziehungen, über die Beziehungen zwischen Christen und Juden von Heute zu reflektieren und zu helfen, eine Agenda für die aktuellen jüdisch-christlichen Gespräche zu setzen.  In den vergangenen Jahren gab es eine neue Energie in der Begegnung zwischen Christen und Juden. Vor allem zwischen Katholiken und Juden, wie Sie alle hier, ist die Päpstliche Kommission und das Woolf-Institut sehr daran interessiert, diese Dynamik zu bewahren.

Die Teilnehmer des Cambridge Seminars  

Katholisch:

Kardinal Kurt Koch

Fr. Norbert Hofman

Prof. Elena Procario Foley

Fr Dr. David Neuhaus

Prof. Joseph Sievers

Jüdisch:

Dr. Ed Kessler

Rabbi David Rosen

Rabbiner Josh Ahrens

Prof. Ruth Langer

Rabbi Abraham Skorda

Fr Christian Rutishauser