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GENERALSEKRETÄR ERÖFFNET ZWEITE SITZUNG DES ADVISORY FORUMS

6 Februar 2017
KAICIID SG at Advisory Forum

Faisal Bin Abdulrahman Bin Muaammar

Faisal Bin Muaammar, Generalsekretär des Internationalen Dialogzentrums (KAICIID), hat am Montag, dem 6. Februar 2016, mit einer Begrüßungsrede die zweite Sitzung des Advisory Forums eröffnet. Den gesamten Text seiner Rede finden Sie hier:

 

Begrüßungsrede zur Sitzung des Advisory Forums 2017

 

 

Geschätzte Mitglieder des Direktoriums,

Sehr geehrte Mitglieder des Advisory Forums,

ich möchte Sie herzlich in der Hall of Dialogue und im KAICIID begrüßen. Wir treffen uns heute nach zehn Monaten wieder. In dieser Zeit sind Sie weit gereist, um mit anderen zusammenzuarbeiten und für Verständnis und Frieden zwischen den Völkern einzutreten. Insgesamt hat diese Gruppe aus etwa 50 aktiven Befürwortern des Dialogs beinahe 100 Länder besucht.

In diesen Monaten haben Sie an vielen intensiven Stunden des Dialogs teilgenommen. Ihre Erfahrungen des letzten Jahres und der vielen Jahre zuvor stellen einen umfangreichen Erfahrungsschatz dar.

Jetzt sind Ihr Wissen und Ihre Einblicke wirklich gefragt. Wir sind in einer neue Epoche angekommen. Im Laufe der letzten zehn Monate wurden wir Zeugen dramatischer und teilweise alarmierender Veränderungen. Ist dies der Beginn einer Verschiebung von einem Extremismus, der das direkte Ergebnis eines Missbrauchs von Religion war, zu einem neuen und radikalen Extremismus, der politisch und ideologisch begründet ist?

Befinden wir uns jetzt in einer neuen Zeit besorgniserregender Unsicherheit, in der wir zwei rivalisierende Lager von religiös motiviertem Extremismus und politisch motiviertem Extremismus sehen, die miteinander konkurrieren? Haben Sie das gleiche Gefühl?

Dieses Ausmaß an Veränderungen erinnert mich an 1989, als die Mauern in Europa einstürzten und Grenzen geöffnet wurden. Leider bauen sich die Mauern aus Angst und Misstrauen heute in den Köpfen der Menschen wieder auf und Grenzen werden geschlossen.

Vor einem Vierteljahrhundert hätte niemand gedacht, dass Hass ganze Länder und Regionen entflammen könnte. Heute sehen und hören wir, wie sich Hass in verschiedene Richtungen ausbreitet.

Seit wir uns das letzte Mal getroffen haben, ist der öffentliche Diskurs aggressiver geworden. Dieser Diskurs entzweit unsere Gesellschaft und führt zu keiner Klärung. Er verwirrt die Menschen. Er schürt Ängste. Er sät Hass unter Menschen.

Dieser Diskurs besteht zum großen Teil aus gegenseitigen Beschuldigungen und instrumentalisiert Religion für die Probleme der Welt. Bewusste Straftaten gegen Anhänger verschiedener Religionen sind für uns Anlass zu größter Besorgnis.

Liebe Freunde, mich interessiert aufrichtig, wie Sie die Situation einschätzen und beurteilen.

Hier in Europa und in Nordamerika lebt möglicherweise die Fremdenfeindlichkeit der 1930er-Jahre wieder auf. Hassverbrechen in Europa und Nordamerika haben dramatisch zugenommen.

In einigen Gegenden wurde dieses Verhalten seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr beobachtet. Populäre politische Bewegungen fördern Diskriminierung. Migration wird abgelehnt. Politische Zusammenschlüsse werden aufgelöst. Wir sind besorgt, dass uns eine dunkle Zukunft bevorsteht, sollten wir nicht handeln.

Grundsätzlich bin ich Optimist. Der Dialog ändert Menschen und ihr Leben. Ich konnte diese Veränderungen mit eigenen Augen beobachten. Diese fremdenfeindlichen Tendenzen können nur weitergehen, wenn keine Alternativen angeboten werden. Wir sind hier, um eine Alternative anzubieten.

In den nächsten beiden Tagen werden Ihr Rat, Ihr Wissen und Ihre Erfahrung dabei helfen, den Dialog in Zeiten alternativer Fakten und Fake News auszuweiten.

In dieser Sitzung des Advisory Forums werden Sie die Grundlagen für dessen Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten legen. Dafür ist einiges an Pionierarbeit erforderlich.  Ich bedanke mich für Ihr Engagement.

Heute und morgen werden wir unsere Erfahrungen austauschen, bevor wir mit den Taskforces beginnen. Die Taskforces sollen ihnen helfen, sich auf Veränderungen in vier thematischen Bereichen zu konzentrieren. Diese Themenbereiche stellen eine effiziente Möglichkeit dar, die in der ersten Sitzung erkannten Probleme anzugehen.   

Ich freue mich darauf, in den Taskforces von Ihren Erfahrungen zu lernen und Ihre Ratschläge zu hören.

Die vier Bereiche lauten: „IRD-Training“, „Führung und gemeinsames Engagement“, „Aussöhnung“ und „Aufbau von Fähigkeiten“. Wie müssen für die kommenden zwölf Monate Schwerpunkte finden und Ziele setzen, einen Aktionsplan festlegen und eine Struktur vereinbaren, um die Koordination untereinander und den Erfolg des Zentrums auf diesem Gebiet sicherzustellen. 

Wir leiten erste Schritte ein, um eine Alternative anzubieten, die diesen Trend umkehrt: von der Angst zum Vertrauen.

In diesem Sinne möchte ich mit einem Zitat und einer Geschichte abschließen. Beide geben mir Hoffnung.

Zunächst ein Zitat des neuen UN-Generalsekretärs Antonio Guterres. Sie kennen ihn als großen Fürsprecher für Flüchtlinge. Das Zitat stammt aus einer seiner Reden. Ich bin der Ansicht, dass er hinsichtlich Religion einen neuen Standard in der UN gesetzt hat.   

Er hat die Nationen nicht nur dazu aufgerufen, Toleranz unter den verschiedenen Kulturen und Religionen zu fördern. Er hat auch nicht nur zum Respekt vor Religionen aufgerufen.

Ich denke, er ist weiter gegangen als jeder andere UN-Generalsekretär vor ihm. Herr Guterres hat uns alle aufgefordert, Menschen zu vermitteln, dass es für ihre religiösen Identitäten eine Wertschätzung gibt.  Menschen dabei zu unterstützen, die "Anderen" wertzuschätzen, ist ein ambitioniertes und bedeutendes Ziel.  Es ist außerdem ein zentraler Bestandteil unseres Mandats.

Und jetzt zu meiner kurzen Geschichte über Dr. Simran Singh, einer unserer Fellows. Er ist Sikh und Assistenzprofessor an der Fakultät für Religion an der Trinity University in San Antonio, Texas. Er erhielt eine Morddrohung. Die Drohung wurde über soziale Medien an ihn gerichtet.

Anstatt mit Hass zu reagieren, nutzte Dr. Singh die sozialen Medien, um das Engagement der Gemeinschaft und ihr Verständnis zu fördern. Danach wurde sein vorbildlicher Einsatz für den Aufbau von gegenseitigem Verständnis in den Fernsehnachrichten in Texas gewürdigt.

Wenn Dialog in Texas Unterstützung findet, dann glaube ich, liebe Freunde, dass wir beinahe überall Verständnis schaffen können. Wir sind stolz darauf, Dr. Singh als Fellow in unserer Mitte zu haben.

Mit diesen Gedanken, die uns in eine bessere Zukunft führen sollen, übergebe ich nun an unser Direktorium. Herzlichen Dank.

 

Das Video finden Sie hier (Englisch).