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„Yogyakarta ist für KAICIID Fellows eine einzigartige Erfahrung im Rahmen ihrer interreligiösen Ausbildung“

29 Juli 2022
Los becados del sur y sureste de Asia del KAICIID (SSEA por sus siglas en inglés) visitan el mundialmente famoso Borobodur en Indonesia durante su formación de una semana en Yogyakarta (Foto: Yaakov Baruch)

Als eine der beliebtesten Städte Indonesiens ist Yogyakarta unter anderem für seine religiöse Vielfalt bekannt.

Umgangssprachlich als „interreligiöses Wunderland“ bezeichnet, gibt es in Yogyakarta eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung (82 Prozent) neben einer starken christlichen Minderheit (17 Prozent). Gemeinsam leben sie in einer Stadt mit einem beeindruckenden buddhistischen, hinduistischen und indigenen kulturellen Erbe.

Zwischen 22. und 29. Juli kamen zwölf KAICIID Fellows aus acht Ländern Süd- und Südostasiens in Yogyakarta zusammen, um sich über Friedensbildung und Konfliktlösung, die Theorie und Praxis interreligiösen Dialogs und die Rolle religiöser Führerinnen und Führer sowie glaubensbasierter Organisationen (FBOs) bei der Förderung nachhaltigen Friedens zu informieren.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus Indonesien, Pakistan, den Philippinen, Thailand, Singapur, Bangladesch und Malaysia stammen, nehmen an der süd- und südostasiatischen Ausgabe des KAICIID Fellows-Programms teil.

Das einjährige Ausbildungsprogramm soll aufstrebende Führungspersönlichkeiten und Lehrkräfte aus allen Teilen der Welt und mit unterschiedlichem religiösem Hintergrund zusammenbringen, um sie in den Bereichen Dialogführung, Konfliktprävention, interkulturelle Kommunikation und Förderung des sozialen Zusammenhalts auszubilden und zu inspirieren.

Der Inhalt und das Format der Fortbildung, die Ressourcen und die angebotenen Möglichkeiten sind in allen Kohorten gleich. Bislang hat KAICIID über 400 Fellows aus insgesamt 84 verschiedenen Ländern geschult.

Ein einzigartiger Ort, um Dialog hautnah zu erleben

Laut Mike Waltner von KAICIID könnte der Rahmen für diese Trainingsrunde zur Vermittlung von Kompetenzen nicht besser sein.

„Yogyakarta ist ein einzigartiger Ort“, sagt der KAICIIDs Programmleiter für die Region Asien. „Die Besonderheit dieses Ortes und seiner Institutionen ist der ideale Ausgangspunkt für unser Training.“

Yogyakarta gilt als wichtiges Zentrum für die Bewahrung der klassischen javanischen Kultur, der hinduistischen Geschichte und des buddhistischen Erbes. Die Stadt ist auch als Zentrum der indonesischen Hochschulbildung bekannt, hier befindet sich unter anderem die renommierte Gadjah Mada Universität.

Die ehemalige indonesische Hauptstadt (1946-48) ist auch Sitz des Sultanats Yogyakarta – einer javanischen Monarchie in der Republik Indonesien, die von Hamengkubuwono X. angeführt wird. Die Stadt hat eine Fülle von religiösen Stätten und Erlebnissen zu bieten, die Einheimische und Besucher gleichermaßen begeistern.

Yogyakarta beherbergt den weltberühmten, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Borbudur-Komplex – den größten buddhistischen Tempel der Welt; den Hindu-Tempel Prambanan aus dem 9. Jahrhundert und das Ramayana-Ballett; die Große Moschee von Kauman sowie zahlreiche katholische Schreine und protestantische Kirchen.

Diese Orte sind jedoch mehr als nur Touristenattraktionen. Sie sind auch wichtige Stätten für die ständige Weiterbildung im Bereich der Friedensförderung und der Vorteile des interreligiösen Dialogs.

 KAICIID / Ulet Ifansa

Aus diesem Grund haben die KAICIID Fellows im Rahmen ihrer Ausbildung mehrere dieser Orte besucht. Darunter waren das beeindruckende buddhistische Kloster Mendut aus dem 9. Jahrhundert, ein islamisches Internat und eine interreligiöse und interkulturelle Gemeinschaft, die Menschen aus den lokalen Traditionen der fünf Berge Zentraljavas zusammenführt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen auch mit führenden Vertreterinnen und Vertretern der lokalen indigenen Gemeinschaften in der Region Yogyakarta zusammen, um zu diskutieren und sich auszutauschen.

An jedem Ort erhielten sie Einblicke in die „lange Geschichte der Vielfalt Yogyakartas“, so Waltner. „Sie erlebten aus nächster Nähe die historische Vielschichtigkeit der Kulturen, die die Stadt zu dem gemacht hat, was sie heute ist.“

Waltner hofft, dass die Fellows bei diesen Besuchen vor Ort sehen, fühlen und lernen, wie Yogyakarta einen Ruf für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben erlangt hat.

„Für einige der Fellows ist es das erste Mal, dass sie eine solche Stätte besuchen“, erzählt Waltner.

„Ob es sich nun um einen buddhistischen Tempel oder eine hinduistische Pilgerstätte handelt, sie werden sie aus der Perspektive eines Angehörigen dieser Tradition kennenlernen“, sagt Waltner. „Der gelebte religiöse Aspekt wird sie verändern.“

Gleichzeitig ist Yogyakartas Ruf als Ort der interreligiösen Harmonie hart erkämpft. Anhaltende Spannungen drohen das, was sonst international als Musterbeispiel für Toleranz gilt, zu zerstören.

  KAICIID / Ulet Ifansati)

Im Jahr 2018 rief Hamengkubuwono X. nach Angriffen auf Kirchen und öffentliche Gebäude in Surabaya, einer Hafenstadt etwa vier Stunden von Yogyakarta entfernt auf der Insel Ostjava, dazu auf, sich verstärkt für den Erhalt der Religionsfreiheit einzusetzen. 

Unbeeindruckt von den aufflammenden Auseinandersetzungen haben sich die Verantwortlichen vor Ort immer der Konfliktlösung und der Friedenssicherung verschrieben. Das „Zentrum für religiöse und interkulturelle Studien“ (CRCS) an der Gadjah Mada Universität und das „Interreligiöse Konsortium für religiöse Studien“ (ICRS) sind nur zwei Beispiele für Initiativen in Yogyakarta, die sich für die Bewahrung des Friedens einsetzen.

Die Fellows hatten die Gelegenheit, mit Vertreterinnen und Vertretern des CRCS und des ICRS zusammenzutreffen, um aus deren Erfahrungen zu lernen und zu hören, wie sie versuchen, Indonesiens nationalen Slogan Bhinneka Tunggal Ika, was so viel wie „Einheit in der Vielfalt“ bedeutet, zu verwirklichen.

„Indem wir neue Freundschaften und Partnerschaften mit solchen Organisationen schließen, erhalten die Fellows die Möglichkeit, aus praktischen Beispielen und Fallstudien zu lernen“, erklärt Waltner.

Eine Brücke zwischen Yogyakarta und der Heimat

Wiwin Rohmawati, KAICIID Fellow des Jahres 2015 und stellvertretende Direktorin des Instituts für Islam in Südostasien (ISAIs) an der Staatlichen Islamischen Universität Sunan Kalijaga in Yogyakarta, ist bei der Schulung ebenfalls dabei.

Rohmawati, die den Wert einer solchen Ausbildung und die Vorteile der Anwendung des Gelernten in ihrem eigenen Bereich zu schätzen weiß, hofft, dass die Schulung reibungslos verlaufen und ein produktives Umfeld für das Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer schaffen wird.

Sie erzählt, sie hoffe nicht nur, dass „die Fellows ihre Fähigkeiten im interreligiösen und interkulturellen Dialog verbessern, sondern auch ihr Netzwerk erweitern können“.

Rohmawati glaubt, dass insbesondere die „reiche kulturelle Umgebung Yogyakartas“ als Inspiration dienen wird. „In einem solchen Kontext wird dieses Training den Horizont der Beteiligten in Bezug auf das Verständnis von Vielfalt, Toleranz und Dialog sowie deren Dynamik in einem anderen als ihrem eigenen Lebensumfeld erweitern.“

Das Programm, so Waltner, werde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern helfen, die Vielfalt Yogyakartas mit ihrem eigenen Kontext zu verbinden und ihnen die Möglichkeit geben, ihre transformativen Erfahrungen an Menschen weiterzugeben, die sie in ihrer Heimat betreuen, ausbilden und unterrichten.

Als Teil der Ausbildung erhält jeder Fellow technische und finanzielle Unterstützung von KAICIID, um eine interreligiöse Initiative im eigenen Umfeld zu konzipieren und umzusetzen. „Die Fellows sind Religionslehrer mit sehr guten Ideen“, sagt er, „aber diese Art von Training in Yogyakarta ist von unschätzbarem Wert, um ihnen zu helfen, den interreligiösen Dialog in ihren eigenen Gemeinschaften zu lehren und zu fördern.“

„Wir haben Seminare abgehalten, um ihnen zu helfen, strategisch über die Ergebnisse nachzudenken, die sie durch ihre Dialoginitiative während der Ausbildung zu erreichen hoffen“, erläutert Walter.

Laut Waltner sind die Erfolgsaussichten in dieser Frage aufgrund der Einzigartigkeit Yogyakartas sehr vielversprechend. „Wir bieten den Fellows eine außergewöhnliche Erfahrung im Rahmen der interreligiösen Ausbildung in dieser Stadt“, argumentiert er.

 KAICIID / Ulet Ifansati)

Malminderjit Singh, ein Sikh Fellow aus Singapur, stimmt Waltner zu. „Es ist das beste Fellows-Programm, an dem ich je teilgenommen habe, und ich kann mir keinen besseren Ort und keine bessere Gruppe vorstellen, um mehr über interreligiösen Dialog zu lernen.“