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Schmerz und Hass mit Dialog überwinden

6 Januar 2022
KAICIID Fellow Swami Chidakashananda. Foto: Don Harith Gamage

Swami Chidakashananda verehrte in seiner Kindheit Albert Einstein, später studierte er an der Universität Metaphysik, Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik. Er wuchs mit der Überzeugung auf, dass die Wissenschaft alles menschliche Übel beenden könne. Doch nachdem er jahrelang in der Wissenschaft nach Antworten auf das menschliche Leiden suchte und keine fand, wandte er sich stattdessen der Spiritualität des Vedanta zu, einer der sechs Schulen der Hindu-Philosophie.

Heute ist Swami ein hinduistischer Mönch und einer der führenden spirituellen Lehrer der Chinmaya-Mission in Jana im Norden Sri Lankas.

Bei einer interreligiösen Fortbildungsveranstaltung in Colombo erfuhr er vom KAICIID Fellows-Programm und bewarb sich sofort um die Aufnahme. Seitdem arbeitet er mit anderen ehemaligen Fellows in Sri Lanka zusammen, um die Aktivitäten vor Ort zu koordinieren.

Swami und seine Kolleginnen und Kollegen seien besorgt über die zunehmenden Gefahren für junge Menschen, wie etwa Hassrede im Internet. „Es gibt zum Beispiel einen bekannten buddhistischen Mönch, der Reden hält, in denen er andere Menschen – hinduistische, christliche, muslimische Minderheiten – anprangert. Kürzlich gab er eine Erklärung ab, in der er vorschlug, nach den bevorstehenden Wahlen eine monoreligiöse Regierung zu bilden“, erklärt Swami.

Nachdem die sri-lankischen Fellows gesehen hatten, welchen Schaden einige Gemeinschaften durch Hass im Netz erlitten hatten, konzipierten sie einen eintägigen Workshop, der im ersten Quartal 2020 stattfand. KAICIID steuerte Leitfäden und Inhalte bei, die verwendet wurden, um Richtlinien zur Erkennung und Reduzierung von Hassrede im Internet zu erstellen. Diese richteten sich an Menschen aus dem gesamten Inselstaat.

Eine solche Initiative war dringend erforderlich geworden, da die Spannungen aufgrund von Hassrede, die von hochrangigen religiösen Führern gegen Menschen anderer Glaubensrichtungen verbreitet wurden, groß waren. Da auch mehrere heilige Stätten der Hindus geschändet wurden, sahen sich Anhängerinnen und Anhänger der Minderheitsreligionen Sri Lankas - Christen, Hindus und Muslime - dazu veranlasst, dringend nach friedlichen Mitteln zur Deeskalation des Konflikts zu suchen. Zusätzlich zu seinem Projekt gegen Hassrede mit anderen ehemaligen Fellows arbeitet Swami mit religiösen Führerinnen und Führern in Jana zusammen, um Schulungen in interreligiösem Dialog anzubieten, die auch Konfliktprävention und Versöhnung lehren. Obwohl diese Themen für die buddhistischen Mönche und christlichen Priester, die Swami unterrichtet, neu sind, ist er entschlossen, den Ruf und das begrenzte Verständnis des interreligiösen Dialogs in diesem Teil von Sri Lanka zu verbessern.

Swami ist der Meinung, der Zynismus über den wahren Wert der interreligiösen Arbeit komme daher, dass es innerhalb der Gemeinschaft kaum echte Anzeichen für Versöhnung gäbe. „Die verschiedenen religiösen Gruppen Sri Lankas fürchten oft, eine Zusammenarbeit würde bedeuten, dass ihre Identitäten auf dem Spiel stehen. Außerdem haben viele den Eindruck, dass andere Religionen an bestimmte politische Standpunkte gebunden sind.“

Swami schreibt den Erfahrungen als Fellow zu, dass sie sein eigenes Verhalten und seine Denkmuster deutlich verändert haben. Wenn andere Menschen hasserfüllte Rhetorik über eine religiöse oder ethnische Gruppe verbreiten, erinnert sich Swami an die Grundsätze des Dialogs, bevor er darauf reagiert oder eine Antwort gibt.

Swami erklärt die Veränderung in seinem Ansatz so: „Wenn jetzt von einigen religiösen Führerinnen und Führern oder von anderen Menschen die Unwahrheit gesagt wird, ist die Art und Weise, wie ich diese Botschaft aufnehme und wie ich versuche, dieses Argument in einen Dialog umzuwandeln, oder wie ich mit dieser Situation umgehe, durch das KAICIID-Training unterstützt worden.“

Früher hatte Swami aufgrund seiner Tätigkeiten und Kontakte vor Ort einen isolierten Blick auf die Religion. Das Fellows-Programm hat ihm die Möglichkeit gegeben, mit religiösen Führerinnen und Führern aus der ganzen Welt in Kontakt zu treten und echte Freundschaften mit "den Anderen" zu schließen. Die Interaktionen und Freundschaften ermöglichen es ihm, eine universelle Perspektive auf Probleme einzunehmen und über seine unmittelbare Gemeinschaft hinaus zu sehen, um die Auswirkungen zu verstehen und nach Lösungen zu suchen.

Jetzt arbeitet Swami an einem 30-Jahres-Plan, der seine hoffnungsvollen Visionen für die Zukunft des Landes darstellt. Zunächst konzentriert er sich in Jana auf die Jugendlichen, wobei er seine Aufgabe nicht nur als religiöser Führer, sondern auch als Sozialarbeiter und Heiler der Gemeinschaft sieht. Beginnend mit dem Jahr 2020 plant er drei aufeinanderfolgende Meilensteine in Abschnitten von jeweils zehn Jahren. Bis 2050 soll ein landesweites Programm der Jugend Sri Lankas ermöglichen, interreligiösen Dialog zu erlernen und zu leben.

Mit dieser Ausbildung will Swami die entscheidenden Fragen angehen, die sich an der Schnittstelle zwischen einer bestimmten Identität und einer anderen stellen. Bedeutet zum Beispiel der Bau eines buddhistischen Tempels, dass der Ort nun dem Buddhismus gehört? Welchen Bestattungsritualen sollte man folgen, wenn ein religiöser Führer stirbt, und welche Faktoren sollen diese Entscheidung beeinflussen dürfen? Diese Fragen treffen den Kern der interreligiösen Versöhnung, für die Swami in Jana einen so großen Bedarf sieht. Nur mit einer langfristigen Perspektive und durch die Linse des Dialogs können die Antworten universell verstanden und akzeptiert werden.

„Ich habe eine klare Vision im Kopf“, sagt Swami. „Und dieses Jahr werde ich diese Vision nehmen, sie aufbereiten, modifizieren und in eine Mission umwandeln.“

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