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26 März 2020
Foto: Ravi Putcha

Mridul Upadhyay wurde in einer hinduistisch-brahmanischen Familie geboren und wuchs in einem kleinen Dorf in Nordindien auf. Seine erste bedeutsame Verbindung zu Musliminnen und Muslimen entstand 2008, als er sich an der Universität Jamia Millia Islamia in Neu-Delhi einschrieb.

"Ich hatte zuvor keine muslimischen Freundinnen und Freunden, doch mit 17 Jahren wohnte ich plötzlich in einem Wohnheim mit überwiegend muslimischen Studierenden und besuchte eine Universität, an der fast alle Lehrenden muslimisch waren. Das war das erste Mal, dass ich anfing, etwas über andere Religionen und die Kraft des interreligiösen Dialogs zu lernen", erklärt er.

Mriduls Neugierde veranlasste ihn, den Koran zu studieren und während des Ramadans zu fasten. Lange gehegte Vorurteile lösten sich auf, als er den Glauben seiner neuen Freundinnen und Freunde kennenlernte. Nach und nach wurde seine persönliche Erfahrung zu einer lebenslangen Mission zur Förderung des Friedens und des Zusammenlebens.

Mridul war 2015 einer der Mitbegründer von "Youth for Peace International" (YfPI). Dieses Netzwerk junger Friedensstifterinnen und Friedensstifter setzt auf Forschung, Fürsprache, Kapazitätenaufbau und Basisarbeit, um gegen religiöse und kulturelle Intoleranz, Online-Hassrede und hartnäckige Spannungen zwischen Indien und Pakistan vorzugehen, die neben anderen strukturellen Problemen, die Konflikte schüren und den Frieden in und um die Region herum verhindern.

Im Rahmen ihrer Programme zum Aufbau von Kapazitäten hat die Organisation fast 100 Jugendliche aus 14 Ländern zu Trainerinnen und Trainern in Konflikttransformation und der Prävention von gewalttätigem Extremismus ausgebildet.

Darüber hinaus bietet das YfPI-Vorzeigeprogramm für Arbeit in Gemeinden humanitäre Unterstützung für eine Gemeinschaft von 250 Rohingya-MuslimInnen, die vor Verfolgung in Myanmar flohen und sich 2012 in Delhi niederließen.

"Wir wollten mit dieser gefährdeten Gemeinschaft zusammenarbeiten und sie unterstützen, weil sie sonst nicht viel Unterstützung erhält", berichtet Mridul. "Bisher haben wir für sie Kleiderspendenaktionen durchgeführt, Aufräum- und Engagementprojekte in der Gemeinde organisiert, Lebensmittel- und Studienmaterialspenden von Unternehmen und PhilanthropInnen organisiert und Kindern die Methode "Spielen für Frieden" beigebracht, um die Traumabewältigung zu erleichtern.

Die Reaktion auf ihre Arbeit ist weitestgehend positiv, insbesondere in der Rohingya-Gemeinschaft.

"Sie vertrauen uns wirklich", sagt Mridul. "Wir sind junge Leute, die ohne viele Ressourcen und mit vielen Einschränkungen arbeiten, aber wir beschäftigten uns auf einer sehr persönlichen Ebene mit ihnen. Wir kommen zu ihnen, sitzen mit ihren Kindern zusammen, hören ihnen zu, führen Sitzungen der Traumabewältigung durch, wir tun, was immer notwendig ist. Das hat uns geholfen, in der Gemeinschaft Glaubwürdigkeit zu erlangen. Wann immer sie Probleme haben, melden sie sich bei uns. Sie vertrauen darauf, dass wir ihnen helfen."

In ähnlicher Weise konzentriert sich ein großer Teil der Arbeit von YfPI auf die Anwaltschaft, insbesondere für diejenigen, die sich in schwierigen Situationen befinden, und auf die Verhinderung der Verbreitung von Gerüchten und der Aufstachelung zu Gewalt.

Im Jahr 2018 kursierten falsche Berichte, dass Mriduls Alma Mater antiindische Ideologien lehren würde. Mridul und andere hinduistische Absolventinnen und Absolventen wussten aus eigener Erfahrung, dass diese Anschuldigungen unwahr waren, und so schlossen sie sich zusammen, um eine alternative Darstellung zu bieten und die Sache richtigzustellen.

"Wir haben eine Online-Kampagne zur Verteidigung der Universität und ihrer Lehrenden ins Leben gerufen und Artikel und persönliche Berichte darüber veröffentlicht, wie wir als Hindus dort studiert und uns immer sicher und willkommen gefühlt haben, und wie wir nie eine gefährliche oder antinationalistische Lehre erlebt haben", erzählt Mridul.

Mit fast 10.000 Facebook-Followern auf der offiziellen Seite von YfPI und einem Team von 30 MitarbeiterInnen und UnterstützerInnen verbreitete sich ihre positive Botschaft schnell und half, die falschen und schadenbringenden Gerüchte zu bekämpfen.

YfPI arbeitet auch daran, falsche Gerüchte zu zerstreuen, die Hindus und Muslime spalten und gewalttätige Spannungen mit dem benachbarten Pakistan schüren sollen.

"Diese Art von Erzählungen haben Angst erzeugt. Viele Musliminnen und Muslimme sagen jetzt, dass sie sich an öffentlichen Orten nicht sicher fühlen", berichtet Mridul. "Der Ursprung dieser Konflikte und des Hasses liegen oft in Voreingenommenheit und Unwissenheit. Religiöse Intoleranz schürt und verschärft extremistische Gewalt, deshalb ist es wichtig, dass wir den Dialog mit Hilfe von auf dem Glauben basierenden Wertesystemen erleichtern, um diese unterschiedlichen Gemeinschaften zusammenzubringen.

In den Jahren 2016 und 2017 führte YfPI eine Online-Dialog- und Präsentationskampagne mit dem Namen "Guftagu" (Urdu für "Gespräch") durch, die Pakistanis und NordinderInnen dazu ermutigte, Erinnerungen und Fotos von lokalen Speisen, Kleidung, Festen, Musik, Poesie und anderen kulturellen Besonderheiten zu teilen.

"Nordindien und Pakistan teilen eine ähnliche Kultur - es gibt viele Gemeinsamkeiten. Wir wollten betonen, dass die Tatsache, dass die beiden Länder durch ihre Religionen getrennt sind, nicht bedeutet, dass es zwischen ihnen Hass geben muss", so Mridul.

YfPI plant eine weitere Kampagne mit dem Namen "Sarhad Ke Paar" (Urdu und Hindi für "Über Grenzen hinweg"), die junge InderInnen und Pakistani, die das Land des jeweils anderen besucht haben, dazu ermutigen soll, über Vorurteile zu diskutieren, die sie vor ihren Reisen hatten, und darüber, wie ihre Erfahrungen jenseits der Grenze ihre Einstellungen positiv verändert haben.

YfPI erstellt nun einen wertebasierten Lehrplan für staatliche Schulen, der die Vorteile des interreligiösen und interkulturellen Dialogs bei der Förderung von Respekt, Mitgefühl, Vertrauen, Dankbarkeit, Liebe und Einfühlungsvermögen hervorheben soll. Mridul hofft, dass diese Arbeit zu mehr interkulturellem und grenzüberschreitendem Austausch führen wird, bevor die Schülerinnen und Schüler auf die Universität gehen, und dass sie so zur Förderung von Frieden und Zusammenleben beitragen.

"Ich möchte diese Gemeinschaften zusammenbringen. Ich möchte, dass Indien und Pakistan zusammenkommen, wie es West- und Ostdeutschland getan haben", sagt er. "Wenn das nicht möglich ist, dann können wir zumindest alle ein wenig mehr Toleranz füreinander und vielleicht sogar Mitgefühl haben".

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