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In Marokko lernen religiöse Akteurinnen und Akteure in Online-Seminaren, wie sie mit der Coronavirus-Krise umgehen können

10 Mar 2021
Dr. Sali Bouba Oumarou coordinated online events to improve the knowledge about the role of religious and intercultural institutions

Religiöse Organisationen sind besonders wichtig für die Unterstützung der vulnerablen Teile einer Gesellschaft in Krisenzeiten. Im Kontext der globalen Pandemie sahen sie sich mit einer noch nie dagewesenen Notlage konfrontiert, die sie zwang, ihre Art der Hilfeleistung zu überdenken.

In Marokko versammelte sich eine interreligiöse und multikulturelle Gruppe, bestehend aus über 135 Studierenden, NGO-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Forscherinnen und Forschern sowie Aktivistinnen und Aktivisten in zwei Online-Seminaren, um Wege zu diskutieren, wie man den Schwächsten der Gesellschaft in diesen schwierigen Zeiten besser helfen kann.

Die beiden Veranstaltungen, die am 28. November und 13. Februar auf der Online-Plattform Zoom stattfanden, wurden von KAICIID durch sein Programm „Dialogue-60“ unterstützt, das interreligiösen und interkulturellen Dialog und Kooperationen in der arabischen Welt fördert.

„Die Seminare zielten darauf ab, das Wissen über die Rolle religiöser und interkultureller Institutionen sowie über die Herausforderungen, denen sie in Krisenzeiten gegenüberstehen, zu vertiefen“, erklärt Dr. Sali Bouba Oumarou, ein Politikwissenschaftler, der die Online-Veranstaltungen koordinierte.

„Wir konzentrierten uns unter anderem auf die Auswirkungen der aktuellen Situation auf Fragen der Migration in Marokko, auf die Bedeutung von interreligiösem Dialog und die Förderung von Toleranz in diesem komplexen Kontext.“

Die marokkanische Gesellschaft, so Dr. Oumarou, hat sehr unter den Auswirkungen der Pandemie und den Einschränkungen gelitten, die verhängt wurden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu begrenzen.

„Wenn man sich die Medienberichte über die aktuelle Gesundheitskrise anschaut, findet man, wenn überhaupt, nur sehr wenige Informationen über die Arbeit glaubensbasierter Institutionen sowie religiöser Führerinnen und Führer. Doch sie gehörten zu den ersten, die Maßnahmen ergriffen, um den am meisten gefährdeten Menschen zu helfen“, erklärt Dr. Oumarou.

A photo of a church in Tanger, Morocco

„Deshalb haben wir Fachleute, Wissenschaftler und NGO-Leitungen aus verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen zusammengebracht, die das Publikum über die Arbeit von glaubensbasierten und interkulturellen Institutionen informierten.“

Das erste der beiden Seminare befasste sich mit der Rolle von religiösen und interkulturellen Organisationen im Kontext einer Pandemie. Zu den Vortragenden gehörten ein Religionswissenschaftler, Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Anthropologie, Migration und Völkerrecht sowie Vertreter mehrerer NGOs.

Die zweite Veranstaltung befasste sich mit den Spannungen, die durch die Pandemie entstanden sind, und mit möglichen Lösungsansätzen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf religiösen und zivilgesellschaftlichen Organisationen lag, die als Vermittler auftreten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussion waren Fachleute aus verschiedenen sozialen und juristischen Bereichen.

Im ersten Seminar betonten die Diskutanten die Notwendigkeit für religiöse Persönlichkeiten, innovative Wege zu beschreiten, um ihrer Arbeit Ausdruck zu verleihen und Menschen in Not zu erreichen. Obwohl die meisten Organisationen schnell auf Online-Plattformen und technologische Werkzeuge umstiegen, sind einige von ihnen noch dabei, sich an diesen Prozess anzupassen.

„Auch wenn religiöse Akteurinnen und Akteure und Organisationen bis zu einem gewissen Grad in der Lage waren, die durch die Pandemie auferlegten neuen Arbeitsweisen anzuwenden, indem sie zum Beispiel online predigen, Messen feiern und andere Dienste anbieten, bleibt der Großteil ihrer Kommunikation mit den Menschen innerhalb ihrer Gemeinschaften zu klassisch und traditionell“, meint Dr. Oumarou.

Laut den Empfehlungen, die am Ende der beiden Seminare ausgesprochen wurden, sollen die Behörden die Bemühungen der religiösen und interkulturellen Organisationen bei der Suche nach Lösungen für die Krise begleiten und erleichtern.

Mosque in Tanger Morocco

Zu den Empfehlungen, die an verschiedene Institutionen und politische Entscheidungsträgerinnen und -träger weitergegeben werden, gehörte auch, dass die Diskutanten religiöse Persönlichkeiten aufforderten, sich mit positiven Taten gegen Ängste und Vorurteile gegenüber Migranten und Asylsuchenden zu engagieren.

„Die Coronavirus-Pandemie hat die ohnehin schon schwierigen Bedingungen für gefährdete Menschen und Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt nur noch verschlimmert“, sagt Hanane Serrhini, eine Forscherin für Migrationsrecht, die an beiden Seminaren als Sprecherin dabei war.

„In Marokko, wo viele Einheimische ebenfalls ihre Arbeit verloren haben und ohne festes Einkommen leben müssen, sind Migrantinnen und Migranten, Asylsuchende und Flüchtlinge extremen Gefahren ausgesetzt. Viele haben keinen gültigen Aufenthaltstitel und leben in überfüllten Lagern oder Zentren, die nicht den aktuellen Anforderungen zur Coronavirus-Prävention entsprechen.“

Serrhini erzählt, sie war froh, an beiden Seminaren teilgenommen zu haben. „Sie waren beide sehr nützlich. Das erste gab mir die Möglichkeit, mich mit Vertretern der Zivilgesellschaft auszutauschen, die die Theorien, die wir, die Forscher, aufstellen, in die Praxis umsetzen. Das zweite brachte Fachleute aus verschiedenen Disziplinen, wie Recht und Wirtschaft, zusammen.“

Unterstützung von lokalen Initiativen

Die beiden Seminare gehörten zu den 60 erfolgreichen Projekten, die KAICIID im Sommer 2020 aus 150 Bewerbungen ausgewählt hat.

„Es ist das erste Mal, dass wir in der arabischen Region Fördergelder in so großem Umfang vergeben“, berichtet KAICIIDs Programmleiter Edwar Hanna.

„Das liegt daran, dass das Coronavirus im Jahr 2020 eine neue Realität geschaffen hat und wir als internationale Organisation nun auf lokale Partner im Kampf gegen die Pandemie und ihre Folgen angewiesen sind.“

Hanna erklärt, dass Reisebeschränkungen und die fehlende Möglichkeit, Projekte direkt umzusetzen, den Ansatz des Dialogzentrums hin zu einer verstärkten Unterstützung lokaler Initiativen verändert hat.

„Wir wollen, dass lokale Akteurinnen und Akteure Initiativen zur Bekämpfung von Hassrede und als Reaktion auf die Coronavirus-Krise leiten. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr beschlossen, mehr in diese Förderungen zu investieren.“

Laut dem Programmleiter waren die von Dr. Oumarou koordinierten Seminare von besonderem Interesse für KAICIID, da sie die Rolle religiöser Führerinnen und Führer in Krisenzeiten analysierten. Das ist eine Nische, auf die sich das Dialogzentrum konzentriert.

„In den Empfehlungen, die sie erarbeitet hatten, wandten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch an politische Entscheidungsträger und forderten sie auf, mit glaubensbasierten und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzuarbeiten. Wir fanden diese Lobbyarbeit als Teil des Projekts besonders relevant.“

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