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ONZE VERHALEN

Katholische, jüdische und muslimische Jugend mobilisieren zum Schutz von Holocaust-Mahnmal

 

 

An der Wiener Ringstraße drängen sich junge Menschen unter Regenschirmen und stehen Tag und Nacht Wache neben Porträts von Holocaust-Überlebenden. Seit der Eröffnung der Ausstellung vor drei Wochen haben Vandalen die Kunstinstallation mit dem Titel „Lest we Forget“ des deutsch-italienischen Künstlers Luigi Toscano dreimal angegriffen. Die Bilder wurden mit Messern durchstoßen sowie Hakenkreuze und rassistische Bögen darauf geschmiert.


Die im Mai eröffnete Ausstellung mit Porträts von Holocaust-Überlebenden ist zu einem Sammelaufruf für den Widerstand gegen Antisemitismus geworden. Die Ausstellung „Lest We Forget“ des italienischen Künstlers Luigi Toscano erstreckte sich vom Volksgarten entlang der Wiener Ringstraße an der Hofburg vorbei. Die Ringstraße, die das historische Zentrum von Wien umgibt, wird täglich von Tausenden von Menschen frequentiert.

 

Die Ausstellung zeigt seit 7. Mai 50 über zwei Meter hohe Porträtfotos von Menschen, die die nationalsozialistische Verfolgung überlebt haben.

 

Die Porträts wurden mehrmals - vor allem in der Nacht - geschändet. Viele wurden durchgeschnitten oder mit Zigaretten verbrannt

 

Freiwillige, die durch eine interreligiöse Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Studentenbund, der Katholischen Jugend Österreich, der Muslimischen Jugend Österreichs und der Jungen Caritas mobilisiert wurden, bewachen die Ausstellung nun rund um die Uhr, um die Portraits der Überlebenden vor weiterem Vandalismus zu schützen.

 

"Als ich von diesem Vandalismus hörte, fehlten mir die Worte. Es ist schrecklich. Es ist so schockierend, dass es mitten in der Stadt und nach so vielen Jahren immer noch Menschen gibt, die dies zerstören wollen“, sagte Fatima Ali, eine junge muslimische Frau, die zu den ersten gehörte, die die beschädigten Bilder reparierte.

 

Nach den Nachrichten über den Vandalismus ging die Muslimische Jugend Österreichs in die sozialen Medien und forderte eine Nachtwache.

„Als wir die zerstörten Porträts von Holocaust-Überlebenden sahen mussten wir etwas unternehmen. Das wollten wir nicht noch einmal zulassen. Wir wollten eine starke Botschaft senden, dass dieser Hass uns als Österreicher nicht trennen kann“, sagte Nesrin El-Isa, Mitglied der Muslimischen Jugend Österreichs

 

 

Ein Freiwilliger entzündet eine Kerze vor einem Porträt. Die Kerzen sollen wetterfest zum Schutz vor Regen und Wind sein. Die Temperatur erreichte manchmal nur 10 Grad Celsius.

 

Bald schlossen sich andere religiöse und zivilgesellschaftliche Organisationen dem Akt der interreligiösen Solidarität an. Außerdem wurden Aktionsgruppen auf Facebook gegründet. Die Caritas brachte Zelte und Jacken; die Mitarbeiter des nahe gelegenen Weltmuseums versorgten die Menschen mit Kaffee und Tee. Andere tauchten mit kostenloser Pizza und ermutigenden Worten auf.

 

Bei Sonnenuntergang versammelten sich Freiwillige von christlichen, jüdischen und muslimischen religiösen Organisationen, um die Porträts während der Nacht zu bewachen

 

„Die Beziehung zwischen unseren Organisationen ist gut", sagte Fatima Ali von der Muslimischen Jugend Österreich. „Wir telefonieren und plötzlich sind 50 Leute da. Ich glaube es ist egal welcher Gemeinschaft dies passiert, wir wären sowieso zusammengekommen, weil es Solidarität zwischen uns gibt. "

 

 

„Ich habe davon gehört und fand es einfach schrecklich. Ich wollte helfen, also bin ich einfach vorbeigekommen und habe diesen leeren Stuhl genommen“, sagte Nina, eine Studentin aus Wien. „Ich dachte nur, dass es etwas ist, was ich tun muss."

 

Die Jugendlichen sitzen im strömenden Regen, die Gesichter sind von flackernden Gedenkkerzen beleuchtet und wachen rund um die Uhr über die Porträts bis zum Ende der Ausstellung am 31. Mai. Einige brachten Nähzeug mit und nähten jedes Porträt sorgfältig wieder zusammen. Jetzt heilen gezackte Narben die Gesichter, in denen die Wunden ursprünglich geschnitten wurden.

„Es war ihr erster Gedanke", sagte Ariane Gollia, Vertreterin der Caritas. „Die Leute wollten die Schäden reparieren."

 

 

Eine lokale Theatertruppe übergibt den Passanten Kerzen

 

Viele der Versammelten sagen, die Nachtwache sei ein Symbol dafür, wie interreligiöse Zusammenarbeit Menschen zusammenbringen kann, wenn eine Krise versucht, sie auseinander zu reißen.

„Diese Geste unserer Freunde bei der Muslimischen Jugend Österreich berührt uns zutiefst", schrieb der Österreichische Studentenbund auf Facebook. „So entmutigend der Angriff auf die Porträts der Shoah-Überlebenden war, dieser Akt interreligiöser, zivilgesellschaftlicher und menschlicher Solidarität gibt uns Hoffnung."

„Diese Leute wollten zerstören", fügt Ali hinzu. „Aber sie haben wirklich viele Menschen zusammengebracht: Jung und Alt, verschiedene Organisationen, verschiedene Überzeugungen. Und genau das haben sie erreicht

 

 

An einem der letzten Abende der Mahnwache fand ein Iftar statt, an dem Hunderte Wächter teilnahmen, darunter christliche, jüdische und muslimische Gruppen, Pfadfinder, Antifaschisten und Überläufer einer anderen Demonstration in der Nähe.

 

 

 

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