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KAICIID Fellow bemüht sich um Verbesserung der konfuzianisch-muslimischen Beziehungen in Indonesien

15 Feb 2021
KAICIID Fellow Kris Tan. Foto: Hendra Eka

Als Kind chinesischer Einwanderer wuchs Kris Tan in Indonesien mit dem Konfuzianismus als Religion auf. Er verfolgte eine lebenslange Ausbildung im Konfuzianismus, von der Grundschule bis zur Hochschule. Heute ist er Vorsitzender des Central Board of Youth Confucianism und vertritt konfuzianische Gläubige aus Indonesien bei interreligiösen Veranstaltungen auf der ganzen Welt. „Der Konfuzianismus ist seit vielen Generationen die Religion unserer Familie. Mein Vater ist tatsächlich einer von nur einer Handvoll konfuzianischer Hohepriester in Indonesien“, erklärt er.

In einem mehrheitlich muslimischen Land ist Kris Tans Mission, die konfuzianisch-muslimischen Beziehungen zu verbessern, besonders wichtig. Nach Angaben des Pew Research Centre gibt es in Indonesien über 219 Millionen Muslime, was über 87 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes und mehr als 12 Prozent der Gesamtzahl der Muslime weltweit ausmacht.

Indonesien vollzog in den späten 1990er Jahren einen politischen Wandel hin zu mehr religiöser Offenheit. Weniger als ein Jahrzehnt später, im Jahr 2006, erkannte die Regierung den Konfuzianismus als offizielle Religion neben dem Buddhismus, Christentum, Hinduismus und Islam an.

Nachdem der Konfuzianismus nun fester Bestandteil des Pluralismus in Indonesien ist, will Kris Tan ihm eine Stimme verleihen. Um das zu erreichen, bemüht er sich darum, die konfuzianisch-muslimischen Beziehungen innerhalb Indonesiens durch Zusammenarbeit mit muslimischen Alumni des KAICIID Fellows-Programms zu verbessern. Dabei handelt es sich um Kamilia Hamidah, Suhadi Cholil und Muhammad Afdillah.

Die vier haben sich zusammengetan, um Lehrangebote für interreligiösen Dialog zu etablieren und Workshops zu konfuzianisch-muslimischen Beziehungen durchzuführen. Sie haben bereits zwei solcher Schulungsorte organisiert, den ersten in Malang City, Ost-Java, und den zweiten in Bogor, West-Java.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops, die in konfuzianischen Tempeln abgehalten werden, sind Studierende, die über soziale Medien auf das Angebot aufmerksam wurden. Die jungen Menschen haben eine augenscheinliche Offenheit sowie ein hohes Maß an Neugierde auf andere Kulturen und Glaubensrichtungen gemein. Die Eröffnungssitzung der Workshops findet im Plenum statt, die Lerneinheiten richten sich an muslimische und konfuzianische Jugendliche.

Die Workshops sind sehr erfolgreich, doch Kris Tan stößt manchmal auf Herausforderungen, wenn es darum geht, die gesamte muslimische Gemeinschaft anzusprechen. Viele aus konservativen Kreisen fühlen sich nicht wohl dabei, einen konfuzianischen Tempel zu betreten, denn sie meinen, dass dies ihrem eigenen Glauben widerspricht.

„Manchmal ist es schwierig, Muslime in unseren Tempel oder sogar in die Kirche einzuladen, denn sie unterliegen Stereotypen und Vorurteilen. Teile der muslimischen Gemeinschaft sind sehr abwehrend.“

Kris Tan ist überzeugt, seine muslimische Kollegin Kamilia habe maßgeblich dazu beigetragen, diese Barrieren abzubauen, indem sie auf Musliminnen und Muslime zuging und sie in das interreligiöse Dialogprogramm aufnahm.

Kris Tan hat viel Lebenszeit in die Förderung des konfuzianischen Glaubens in der indonesischen Gesellschaft investiert. Er will daher seine Bemühungen nicht reduzieren – „interreligiöser Dialog ist meine Mission“. Diese will er sowohl in seinen akademischen als auch in seinen beruflichen Bestrebungen weiterverfolgen.

Kris Tan hält als Mitglied einer so kleinen Minderheitengemeinschaft in Indonesien die interreligiöse Dialogarbeit für besonders wichtig. Durch seine Zeit als KAICIID Fellow hat er viel über die Strategie des interreligiösen Dialogs gelernt und wie man eine zukunftsorientierte Perspektive einnehmen kann, um eine interreligiöse Gemeinschaft im Land zu schaffen. „Das ist eines meiner Ziele. Deshalb engagiere ich mich für interreligiösen Dialog.“ Kris Tan ist auch stolz auf die Einzigartigkeit der konfuzianischen Philosophie, die ihn ermutigt, Menschen aller Religionen und Hintergründe einzubeziehen.

„Als Konfuzianer bin ich gleichzeitig auch ein Kosmopolit. Das ist es, was Konfuzianer sind: Bürgerinnen und Bürger der Welt und Kinder des Himmels.“

Kris Tan hofft, diese gemeinsamen Werte durch seine Arbeit zur Verbesserung der konfuzianisch-muslimischen Beziehungen in Indonesien zu verstärken. „Interreligiöser Dialog wird in Indonesien dringend benötigt. Deshalb ist er Teil meiner Mission.“ Durch das Erkennen der vielen Gemeinsamkeiten als menschliche Gesamtheit und in Übereinstimmung mit den konfuzianischen Lehren, werden alle in der Lage sein, sich als miteinander verbunden zu sehen – ist er überzeugt.

Kris Tan glaubt, dass die Ursache von Kriegen, die eine religiöse Dimension aufweisen, ein Mangel an Verständnis zwischen einer Seite und der anderen ist. „Ohne einander gut zu kennen, sind wir gezwungen, uns auf Vorurteile und Stereotypen zu verlassen. Ich denke, dass es wichtig ist, dieses Problem zu beheben.“

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