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Irakische GlaubensführerInnen und PolitikerInnen kämpfen gemeinsam gegen COVID-19

27 Aug 2020

Ein KAICIID Fellow aus Erbil, Kurdistan-Irak, konnte eine einzigartige Initiative im Bereich der öffentlichen Gesundheit verwirklichen. Er hat das Ministerium für religiöse Stiftungen und Religionsangelegenheiten und das Gesundheitsministerium in Kurdistan zusammengebracht, um das Bewusstsein der Bevölkerung für die Gefahren von COVID-19 zu schärfen.

Barzan Baran Rashid ist Mitglied der „Erbil Konferenz für Bürgerschaft und Frieden im Irak“ und Prediger in der Hamid Sian Moschee des Ministeriums für religiöse Stiftungen und Religionsangelegenheiten. Er nahm im Jahr 2019 an KAICIIDs internationalem Fellows Programm teil.

Das Ziel seines Projekts ist es, religiöse Führerinnen und Führer mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern zur Sensibilisierung bezüglich COVID-19 zusammenzubringen. KAICIID hat finanzielle Zuschüsse zur Verfügung gestellt, damit ehemalige Fellows aktiv zur Bekämpfung der Pandemie in 60 Ländern auf der ganzen Welt beitragen können. Rashid hat gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus zwei der wichtigsten irakischen Ministerien eine hilfreiche Strategie für Gebiete entwickelt, in denen die Regel des „zu Hause Bleibens“ bisher nur wenig beachtet wurde.

Laut Rashid ist die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ministerien entscheidend für die Bekämpfung von COVID-19 in einer Region, in der mehr als eine Million Menschen in den kurdischen Moscheen zum Freitagsgebet zusammenkommen.

„Beide Ministerien haben großen Einfluss auf die kurdische Gesellschaft“, erklärt er. „Das Ministerium für religiöse Stiftungen und Religionsangelegenheiten beispielsweise betreibt mehr als 6.000 Moscheen und mehr als 400 religiöse Tempel. Auch das Gesundheitsministerium spielt eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung der Gesellschaft für die Prävention dieser schweren Krankheit. Es ist uns gelungen, beide Ministerien an einen Runden Tisch zu bringen, um zu erörtern, wie die Regierung und die religiösen Führerinnen und Führer zusammenarbeiten können.“

Rashid berichtet, dass sein Team mit beiden Ministerien kommuniziert und die Ziele des Projekts erläutert habe. „Die meisten der religiösen Führerinnen und Führer, wie zum Beispiel Imame, sind beim Ministerium für religiöse Stiftungen und Religionsangelegenheiten angestellt. Wir brauchten also die Erlaubnis des Ministers, um diese Personengruppe in die Projektaktivitäten einzubeziehen. Außerdem brauchten wir für eines der Hauptziele des Projekts Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitsministerium, die die religiösen Führerinnen und Führer über die Natur des Virus und die Mechanismen zur Verhinderung seiner Ausbreitung aufklären sollten.“

Im Irak haben die langanhaltenden Auswirkungen des Kriegs sowie ein Mangel an Ressourcen zahlreiche Hürden bei der Eindämmung der Pandemie geschaffen. Dazu zählen auch das mangelnde Bewusstsein für Übertragungskrankheiten sowie Herausforderungen im Bildungs- und Gesundheitssektor.

Arbeitslosigkeit und Armut

Laut Rashid ist die irakische Bevölkerung mit vielen Problemen im Kampf gegen die Pandemie konfrontiert. Darunter sind die hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Probleme bei Grenzübertritten zwischen dem Irak und Iran.

Nach einer relativ langsamen Ausbreitung des Coronavirus von Januar bis Mai stiegen die Fälle nach Angaben des Internationalen Rettungskomitees im Juni um 600 Prozent an. Im Irak gibt es nun fast 185.000 bestätigte Fälle des Coronavirus, über 6.000 Menschen sind daran gestorben.

Wie auch in vielen anderen Ländern hat COVID-19 das Gesundheitssystem im Irak an seine Kapazitätsgrenzen gebracht. Die Zahl der Infektionen nimmt stetig zu, die Krankenhäuser sind überlastet und die Versorgung mit Betten, Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten wird immer knapper. Die Behörden sahen sich daher gezwungen, Stadien und Hotels in COVID-19-Stationen und Quarantänezentren umzuwandeln.

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, arbeitet Rashid mit den christlichen, muslimischen, jesidischen, zoroastrischen, Baha'i und Sabier/Mandäer Gemeinschaften zusammen. Er schult religiöse Führerinnen und Führer darin, ihre Plattformen zu nutzen. Sie sollen ihre Gläubigen über empfohlene Hygienerichtlinien und andere Praktiken aufklären, die die Menschen vor dem Virus schützen.

 „Wir haben unter diesen schwierigen Umständen viele Aktivitäten durchgeführt und dabei auf alle religiösen und nationalen Komponenten geachtet. Es wurden zum Beispiel Freitagspredigten über die Schwere der Pandemie in all ihren Aspekten vorbereitet. Wir haben Religionspersönlichkeiten ermutigt, sich durch Predigten in den Gotteshäusern aller Religionen den Herausforderungen zu stellen, vor denen das irakische Volk steht“, erklärt er.

Im Rahmen seiner von KAICIID unterstützten Arbeit hat Rashid auch ein lokales Unternehmen namens Smart Hand eingesetzt. So wurden religiöse Führerinnen und Führer über bewährte Praktiken im Bereich der sozialen Medien geschult. Sie lernten, wie Videobotschaften verbreitet werden können, um den sozialen Zusammenhalt zwischen Gruppen mit unterschiedlichem religiösen und ethnischen Hintergrund zu fördern. Digitale Plattformen wie Facebook haben sich während der Pandemie als besonders hilfreich erwiesen, um Gläubige zu erreichen.

„Wir konzentrierten uns darauf, wie das Internet zur Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger genutzt werden kann, statt nur in Moscheen, Kirchen und Tempeln zu predigen. So wurden auch Gruppen mit Menschen aus unterschiedlichen Gemeinschaften gebildet und Botschaften an Gläubige aus verschiedenen Religionen gesendet.“

In Gebieten des Irak, in denen die Nutzung sozialer Medien weniger verbreitet ist, hilft Rashid den religiösen Führerinnen und Führern auch dabei, Kontakt zu einzelnen Familien aufzunehmen. Er verteilt Briefe und Flugblätter mit Richtlinien, die mit Unterstützung der Gesundheitsdirektion in Erbil erstellt wurden. Rashid wurde bei seinen Bemühungen von „einer Gruppe freiwilliger religiöser Führerinnen und Führer“ unterstützt.

Vulnerable religiöse Gemeinschaften

Diese Bemühungen schließen auch einige der vulnerablen religiösen Gemeinschaften des Landes ein. Zum Beispiel die jesidischen Gemeinschaften im Nordirak, die derzeit aufgrund des gewaltsamen Konflikts in Lagern für Vertriebene leben. Diese Gemeinschaften haben sich stark auf Flugblätter und andere verteilte Materialien verlassen, um mehr über die Prävention von COVID-19 zu erfahren.  „Die Bedürfnisse der Flüchtlinge unterscheiden sich von den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung“, erklärt Rashid.

Er meint, dass die Beteiligten, darunter religiöse Führerinnen und Führer sowie Politikerinnen und Politiker von der Initiative begeistert seien. „Dieser Ansatz war in der Region neu. Es kamen verschiedene Persönlichkeiten zusammen, um gemeinsam nach Lösungen rund um COVID-19 zu suchen. Wir haben viele positive Rückmeldungen von den religiösen Führerinnen und Führer beider Ministerien und von denjenigen erhalten, die an den Projektaktivitäten beteiligt sind.“

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