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ONZE VERHALEN

Interreligiöse Gesundheitsinitiative hilft Frauen in Indonesien psychische Belastungen aufgrund des Coronavirus zu überwinden

Women hold candles at a worship service in Indonesia

KAICIID Fellow Wiwin Rohmawati beschrieb bei einem Gespräch mit anderen Fellows auf der Videochat-Plattform Zoom, wie sie versuchte gefährdeten buddhistischen, christlichen und muslimischen Frauen während der Coronavirus-Pandemie in Indonesien zu helfen.

„Frauen tragen die doppelte Last, wenn sie von zu Hause aus arbeiten müssen“, so Rohmawati. „Sie erledigen neben ihrem Job die Hausarbeit und begleiten ihr Kind auch noch zur Schule. Sie haben sehr viel zu tun und das führt natürlich bei einigen Frauen zu Stress oder psychischen Problemen.“

Rohmawati kommt aus Indonesien, das die höchste Anzahl von COVID-19-Infektionen und Todesfällen in Südostasien aufweist. Das Land meldete kürzlich mit 6.267 Fällen an einem Tag einen Rekordanstieg an Virusinfektionen. Dies markierte den dritten Rekord in einer Woche mit 169 neuen Todesfällen, womit sich die Gesamtzahl der Todesfälle auf 16.815 erhöhte.

Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf die indonesische Wirtschaft - die größte in Südostasien. Das Land stürzte in die erste Rezession seit 22 Jahren. Das Wirtschaftswachstum sank im dritten Quartal 2020 um 3,49 Prozent, gemessen zum Vergleichszeitraum 2019. Staatliche Stellen haben vorhergesagt, dass bis zu 3,5 Millionen Menschen aufgrund des Abschwungs ihren Job verlieren könnten.

Zu den am stärksten von COVID-19 Betroffenen gehören Frauen, von denen viele nur begrenzten Zugang zum Gesundheitswesen haben und wirtschaftlich stark benachteiligt sind.

Wiwin Rohmawati bei einem Training für KAICIID Fellows

Laut einer Diskussionsrunde, die von UN Women und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Anfang des Jahres abgehalten wurde, besteht die Mehrheit der Arbeitskräfte im indonesischen Gastgewerbe aus Frauen. Sie machen mehr als die Hälfte der 75 Millionen Beschäftigten in Restaurants und Hotels aus. Die Arbeitszeit von Frauen wurde um 50 Prozent gekürzt, jene von Männern hingegen nur um 35 Prozent.

Psychische Belastungen und Stress überwinden

Rohmawati bemerkte den immensen Stress, dem indonesische Frauen ausgesetzt sind und startete ein von KAICIID unterstütztes Projekt mit dem Titel "Stärkung der interreligiösen Frauensolidaritätsbewegung zur Überwindung der COVID-19-Pandemie". Basierend auf ihrer Erfahrung als Vizedirektorin des Instituts für Südostasiatischen Islam (ISAIs) an der Sunan Kalijaga State Islamic University und als Vorstandsmitglied des Forums für interreligiöse Harmonie in Yogyakarta, Indonesien, nutzte sie interreligiösen Dialog, um Frauen während der Krise zu helfen.

Rohmawati hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Überzeugungen bei zwei großen Herausforderungen zu unterstützen. Sie will ihnen Fähigkeiten vermitteln, die ihnen helfen, durch die Pandemie verursachte Probleme zu lösen, und die psychische Gesundheit gefährdeter Frauen stärken.

„In Indonesien sind alle Menschen religiös. Jeder hat seine Religion in seinem Ausweis stehen. Das Ziel unserer Aktivitäten während der Pandemie war, einander zu unterstützen und zu stärken. Doch wir haben festgestellt, dass die Online-Koordination anders funktioniert als offline, daher war eine gewisse Anpassung erforderlich“, berichtet sie.

Eine brennende Kerze

Ein Großteil der von Rohmawati geleisteten Arbeit wurde mit Hilfe von Online-Plattformen wie Zoom und WhatsApp geleistet, um Lockdowns und Maßnahmen der sozialen Distanzierung einzuhalten. Sie richtete ein Forum für psychische Gesundheit auf WhatsApp ein und organisierte Schulungen für 20 Dialogvermittlerinnen, damit diese gefährdeten Frauen Unterstützung bieten konnten. Sie koordinierte auch Initiativen für psychische Gesundheit auf Zoom mit Gruppen von jeweils zehn Teilnehmerinnen und Moderatorinnen, die sich drei Monate lang alle vierzehn Tage online trafen.

Online-Ressourcen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit

„Eine christliche Führerin erzählte mir, dass sie zum ersten Mal eine WhatsApp-Gruppe zur Unterstützung der psychischen Gesundheit genutzt hat“, so Rohmawati.

Sie hat während der Pandemie auch Online-Seminare für psychische Gesundheit abgehalten, die von 400 Teilnehmerinnen aus verschiedenen Glaubensrichtungen über Zoom besucht und von über 12.000 Menschen auf Facebook verfolgt wurden.

Im Rahmen einer weiteren interreligiösen Initiative wurden mehrere Videos produziert, die praktische Tipps zu Themen der Pandemie bieten. Dazu gehörten "Wie wir Gott in unserem eigenen Haus und um uns herum begegnen können", präsentiert von Priester Patrisius Mutiara Andalas, Dozent an der Sanata Dharma Universität, und "Was Religionen und religiöse Führer zum Umgang mit der COVID-19-Pandemie in Indonesien beitragen können", präsentiert von Kyai Haji Abdul Muhaimin, einem interreligiösen Dialogvermittler.

Rohmawati veröffentlichte darüber hinaus einen interreligiösen Ratgeber über die Pandemie, der Beiträge von 14 Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Glaubensrichtungen enthält.

„Wir bekamen Input zu unserem Buch aus hinduistischen, muslimischen, katholischen, konfuzianistischen und anderen lokalen Glaubensrichtungen.“

Rohmawati ist zuversichtlich, dass die Solidarität zwischen den Glaubensrichtungen Indonesiens ihrer Gemeinschaft und insbesondere den Frauen helfen wird, die Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen. 

„In all unseren Tätigkeiten versuchen wir, so viel Vielfalt wie möglich in Bezug auf Religion einzubringen. Die Kraft unserer Gemeinschaft liegt im interreligiösen Dialog.“

Um mehr darüber zu erfahren, wie religiöse Führerinnen und Führer die psychische Gesundheit unterstützen können, sehen Sie sich unser Webinar zur World Interfaith Harmony Week mit dem Titel „Glaube an vorderster Front“ an.

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