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Inmitten von Gewalt und Unsicherheit strebt KAICIID nach Frieden in der Zentralafrikanischen Republik

23 Dez 2020
El personal de mantenimiento de la paz de la ONU permanece junto a la barrera de seguridad en la República Centroafricana

Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) steht an einem Scheideweg. Nach Jahren der Instabilität sind die Bürgerinnen und Bürger am Sonntag aufgerufen, an den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen teilzunehmen. Die Abstimmung könnte zu Blutvergießen führen, denn das Ergebnis ist entscheidend für die Zukunft des Landes.

Ein weitreichendes Friedensabkommen, das im Jahr 2019 zwischen der Regierung und 14 Rebellengruppen unterzeichnet wurde, hat Hoffnungen auf einen Neuanfang geweckt. Doch die Sicherheitslage im Land bleibt äußerst volatil und wird durch die Pandemie weiter verschärft. Die Spannungen haben im Vorfeld der Wahl dramatisch zugenommen. Es gibt Reibereien zwischen rivalisierenden Kandidatinnen und Kandidaten, ein Aufflammen der Gewalt durch eine neue Rebellenkoalition und das Ringen um Einfluss zwischen internationalen Mächten.

Als Teil der Bemühungen um nachhaltigen Frieden arbeitet das Internationale Dialogzentrum (KAICIID) mit mehreren glaubensbasierten Organisationen, Aktivistinnen und Aktivisten der Zivilgesellschaft, Frauengruppen, Medien- und Politikvertreterinnen und -vertretern zusammen, um Toleranz und interreligiösen Dialog nach dem verheerenden Bürgerkrieg zu fördern.

KAICIID unterstützt Konfliktprävention im Vorfeld der Wahlen in der Zentralafrikanischen Republik

KAICIID setzt sich weiterhin für mutige Ziele ein, darunter die Unterstützung lokaler Plattformen und Dialoginitiativen, die Durchführung von Kampagnen gegen Hassrede, der Aufbau eines Netzwerks zentralafrikanischer Journalistinnen und Journalisten, die verantwortungsvoll über Konflikte und Traumata berichten, und die Unterstützung religiöser Führerinnen und Führer bei der Umsetzung wichtiger Aspekte des Friedensabkommens in der Zentralafrikanischen Republik.

Eine solche interreligiöse Gruppe, die von KAICIID unterstützt wird, ist die Plateforme des Confessions Religieuses de Centrafrique (PCRC), die von einigen der einflussreichsten religiösen Führungspersönlichkeiten sowie Friedensstifterinnen und Friedensstifter der ZAR gegründet wurde - Kardinal Dieudonné Nzapalainga, Reverend Nicolas Guérékoyame-Gbangou und Imam Omar Kobine Layama, der dieses Jahr verstarb.

Die Gruppe nimmt eine maßgeblich geistliche Position ein und setzt sich in Zeiten aufflammender Gewalt für Frieden ein. In den letzten Wochen, als die Spannungen im Vorfeld der Wahlen eskalierten, haben ihre Führungspersonen zahlreiche Erklärungen abgegeben, die auf die fragile Sicherheitslage des Landes aufmerksam machten und zu Ruhe und Zurückhaltung aufriefen.

 A UN peacekeeper loads a UN van outside the cathedral in Bangui, Central African Republic

Die PCRC führt verschiedene Initiativen zur Gewaltprävention durch. Dazu gehören die Schulung von religiösen und anderen Gemeindevertreterinnen und -vertretern zur Verhinderung von Hassrede und Gerüchten, die Unruhen und Zusammenstöße provozieren können; die Sensibilisierung von politischen Kandidatinnen und Kandidaten sowie Aktivistinnen und Aktivisten über die Bedeutung einer nicht-spalterischen Sprache. Weiters die Veranstaltung von Sitzungen zur Konfliktverhütung für Jugendgruppenleiterinnen und -leiter sowie Treffen mit Regierungspolitikerinnen und -politikern, einschließlich des Präsidenten des Landes, um versöhnliche Botschaften zu vermitteln. Außerdem hat sie Milizenführer zum Gewaltverzicht aufgerufen und christliche Gemeinden ermutigt, vertriebenen Musliminnen und Muslimen die Rückkehr zu gestatten.

„Wir werden die Rolle der Führungspersonen bei der Befriedung des Landes unterstützen und für die Verhinderung von Hassrede eintreten“, so Boris Yakoubou, KAICIIDs Länderexperte in der Zentralafrikanischen Republik. „Durch die Botschaften dieser Führungspersönlichkeiten wird die Bevölkerung die Ergebnisse der Wahlen akzeptieren, damit im Land Frieden herrscht.“

Das Coronavirus hat die Sicherheitsprobleme verschärft

Darüber hinaus hat KAICIID Partnerschaften mit zehn nationalen NGOs geschlossen, um gefährdete Menschen zu unterstützen, Falschinformationen über die Pandemie zu bekämpfen und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen, das Engagement von Jugendlichen und die Stärkung von Frauen zu fördern.

Das Dialogzentrum stärkt die Kapazitäten einer Mediengruppe namens "Peace Journalist Network", die es im Jahr 2018 gegründet hat, um Medienkompetenzen und ethische Praktiken zu fördern, Journalistinnen und Journalisten darin zu schulen, konfliktbedingte Leiden zu erkennen und gewissenhaft darüber zu berichten. Das Netzwerk ist Teil eines umfassenderen Bestrebens, Hassrede im Land zu bekämpfen und das Risiko künftiger Konflikte zu mindern.

Diese wichtige und ehrgeizige Arbeit wird jedoch von den Herausforderungen rund um das Coronavirus, die politische Volatilität und die humanitäre Notlage in der ZAR beeinträchtigt.

Residents walk down a street in the PK5 district in Bangui, Central African Republic

„Die Sicherheitslage war schon lange vorher wegen der politisch-militärischen Krise schwierig. COVID-19 hat diese Situation noch verschlimmert“, erklärt Yakoubou.

Zu den pandemiebedingten Sicherheitsrisiken gehörte auch ein Angriff auf UN-Mitarbeiter und andere internationale Arbeiterinnen, nachdem ein Ausländer, ein italienischer Missionar, als erster Coronavirus-Fall im Land identifiziert worden war. Erhöhtes Misstrauen, Falschinformationen und Fremdenfeindlichkeit veranlassten die UNO, die nächtliche Ausgangssperre für ihre Arbeitskräfte zu erweitern. Es gab Warnungen, dass Gewalt die Hilfsaktionen einschränken könnte.

„Als das Virus zum ersten Mal auftrat, gab es viele Ressentiments seitens der Bevölkerung gegenüber den Teams der internationalen Gemeinschaft“, so Agustin Nuñez-Vicandi, KAICIIDs Country Program Manager in der Zentralafrikanischen Republik.

Nuñez-Vicandi meint, die Stärke von KAICIIDs Arbeit liegt darin, dass sie sich auf lokale Initiativen konzentriert und einflussreiche religiöse und zivilgesellschaftliche Führungspersönlichkeiten einbindet, die die Sango-Sprache beherrschen, die lokalen Zusammenhänge genau kennen und als Vertraute Anerkennung genießen. Dadurch sind sie gut positioniert, um Hassrede und Diskriminierung zu bekämpfen und Sicherheitsmaßnahmen gegen das Coronavirus in der zentralafrikanischen Bevölkerung zu fördern.

KAICIIDs Partnerorganisationen haben während der Pandemie humanitäre Hilfe geleistet

Anfängliche Befürchtungen einer katastrophalen Auswirkung von COVID-19 in diesem Land, einem der fragilsten und am wenigsten entwickelten Staaten der Welt, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Trotzdem gibt es viele Herausforderungen und Probleme.

Bei einem Durchschnittseinkommen von kaum mehr als zwei US-Dollar pro Tag traf der wirtschaftliche Stillstand die Bevölkerung hart und führte zu dramatischen Preissteigerungen. Die Überweisungen aus dem Ausland gingen zurück und Lieferketten wurden unterbrochen.

Da der nationale Verkehr zum Erliegen kam, wurden „die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen daran gehindert, sich fortzubewegen, um der Bevölkerung an verschiedenen Orten Hilfe zu leisten. Das hatte sehr negative Auswirkungen auf die humanitäre Situation“, berichtet Yakoubou.

Als Reaktion darauf hat KAICIID eng mit PCRC zusammengearbeitet, um die ausländischen Hilfsmissionen zu unterstützen.

So erhielten im Juli mit Unterstützung von KAICIID mehr als 80 religiöse Führungskräfte und PCRC-Mitglieder, die in Bambari und Sibut leben, ein Sicherheitstraining in Sachen Pandemie. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde beigebracht, wie sie die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen können, Schutzmasken und Hygieneartikel wurden kostenlos an die Bevölkerung verteilt.

Das Dialogzentrum hat sich für die Verhinderung von Hassrede und die Stigmatisierung von gefährdeten Gruppen eingesetzt

Die Pandemie hat dazu geführt, dass einige der 600.000 Binnenflüchtlinge in der Zentralafrikanischen Republik als virusverbreitende Außenseiter gebrandmarkt wurden. Ende März drangen beispielsweise Militante in ein Lager im Norden ein und vertrieben gewaltsam alle 8.000 Binnenflüchtlinge, indem sie sie für die mögliche Verbreitung von COVID-19 verantwortlich machten.

Armed UN Peacekeepers (one woman and one man) patrol the PK5 district in Bangui, Central African Republic

„Binnenflüchtlinge sind in dieser Hinsicht definitiv eine stigmatisierte, vulnerable Gruppe“, so Nuñez-Vicandi. „Hassrede wird als Waffe gegen sie eingesetzt.“

Solche Fälle unterstreichen die Bedeutung von KAICIIDs Aufgabe, die Verbreitung von Hassrede in der ZAR zu minimieren. Mit Unterstützung des Dialogzentrums veranstaltete PCRC im September eine Initiative, die Jugendliche, Frauen und religiöse Führungskräfte zu einem dreitägigen Workshop in Berberati zusammenbrachte, der sich auf interreligiösen Dialog und die Prävention von Hassrede konzentrierte.

Friedenskonsolidierung schreitet weiter voran

Trotz all dieser ernsten Herausforderungen ist KAICIID seinem Mandat treu geblieben und die Friedenskonsolidierung schreitet weiter voran. „Wir hatten nicht viele Rückschläge in Bezug auf die Programmumsetzung“, so Nuñez-Vicandi.

Um ein tolerantes, multireligiöses Zusammenleben zu fördern, hat das Dialogzentrum führende Imame in die Hauptstadt eingeladen. Sie sollen der Bevölkerung Mediationsfähigkeiten vermitteln. Für das Jahr 2021 gibt es den Plan, Basisgruppen zu unterstützen, die aus religiösen, Wirtschafts- und anderen lokalen Führungspersönlichkeiten bestehen, um lokale Konflikte zu lösen. KAICIID erarbeitet sogar Inhalte für einen Kurs über interreligiösen Dialog für den nationalen Lehrplan. Laut Nuñez-Vicandi wäre das „ein großartiger Weg, um einen nachhaltigen, langfristigen Effekt auf die Jugend und die Zukunft des Landes zu haben“.

Solche fortschrittlichen friedensstiftenden Bemühungen bieten Hoffnung für eine Bevölkerung, die nach Jahren des Aufruhrs verzweifelt nach Veränderung sucht. Die Wahlen am Sonntag stellen das Land auf eine harte Probe. Ein positiver Ausgang ist für die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik dringend notwendig.

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