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In Indonesien fördert eine Social-Media-Kampagne den interreligiösen Dialog für ein Ende der Gewalt gegen Frauen

8 Juli 2022

„Gibt es heute noch Sklaverei?“, fragt ein provokantes Posting der indonesischen Organisation Srikandi Lintas Iman auf Instagram.

„Eine vielleicht etwas naive Frage“, heißt es in dem Beitrag weiter, der verschiedene Frauen zeigt, die Schilder hochhalten. Auf diesen wird die Notlage von Hausangestellten mit zu geringen Löhnen, schlecht behandelten Arbeitsmigrantinnen und solchen, die Opfer von Menschenhandel werden, angesprochen.

Der Beitrag war Teil einer Online-Kampagne zur Förderung des Dialogs für ein Ende der Gewalt gegen Frauen, die von Wiwin Rohmawati, KAICIID Fellow des Jahres 2015, und ihrem Team bei Srikandi Lintas Iman, geleitet wird. Dabei handelt es sich um eine interreligiöse Organisation mit Sitz in Yogyakarta, die sich der Förderung von Solidarität, Dialog, Empathie und Empowerment von Frauen und Kindern widmet.

Die Kampagne lief im November und Dezember 2021 und erreichte etwa 46.000 Menschen. Aufgrund ihres Erfolges wurde sie von der Wahid Foundation in Zusammenarbeit mit Google Indonesien und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) als „Salam Campaign“ gefördert. Diese Unterstützung wiederum ermöglichte es Rohmawatis Team, einen Dokumentarfilm mit dem Titel Boru Bawa Damai („Tochter des Friedens“) über die ehemalige Extremistin und heutige Pädagogin Kartini Panggabean zu produzieren und zu veröffentlichen.

Laut Rohmawati bestand das Ziel beider Projekte darin, einen sicheren Raum für Frauen verschiedener Glaubensrichtungen zu schaffen, um über Gewalt zu diskutieren und die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass solche Übergriffe den gemeinsamen Werten aller Religionen zuwiderlaufen.

In einem Live-Video auf Instagram konzentrierte sich Rohmawatis Team darauf, dass es in jeder Religion eine „Lehre des Verständnisses zwischen Männern und Frauen“ gibt. In dem Video ging es darum, wie Menschen mit unterschiedlichem Glaubenshintergrund die Lehren zur Gleichberechtigung auf ihr tägliches Leben und ihre Beziehungen anwenden können.

Dieser Fokus auf Religion und die Betonung des interreligiösen Dialogs tragen dazu bei, Systeme in Frage zu stellen, die Frauen auf der ganzen Welt weiterhin unterdrücken, erläutert Rohmawati.

„Interreligiöser Dialog ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, denn Religion ist Teil unseres täglichen Lebens“, sagt sie.

Ivy Sudjana, Leiterin der Medien- und Netzwerkabteilung der Organisation, erklärt, dass während der Coronavirus-Pandemie Untersuchungen der indonesischen Nationalen Menschenrechtskommission einen deutlichen Anstieg der Gewalt gegen Frauen festgestellt haben.

„Gleichzeitig nahm die Internetnutzung zu“, so Sudjana. „Deshalb haben wir beschlossen, unsere Kampagne gegen Gewalt in den sozialen Medien voranzutreiben, um den Aussagen entgegenzuwirken, die Menschen dazu bringen können, Schaden anzurichten.“

Es war nicht das erste Mal, dass Srikandi Lintas Iman eine Kampagne in den sozialen Medien durchführte. Zuvor hatten sich die Mitarbeiterinnen bereits mit anderen Organisationen zusammengetan, um Extremismus zu bekämpfen und Hassrede gegen Minderheiten entgegenzutreten. Allerdings hatte keine dieser Aktionen eine so große Reichweite wie die aktuelle, sagt Sudjana.

Der Erfolg der Kampagne ist zu einem großen Teil auf die Ausbildung und Unterstützung durch KAICIID zurückzuführen. Rohmawati nahm im Jahr 2021 an KAICIIDs Weiterbildungsprogramm „Soziale Medien als Raum für Dialog“ teil. Rohmawati zufolge half das Training ihrem Team bei der Formulierung, Gestaltung und Umsetzung einer strukturierten – und letztlich sehr erfolgreichen – Social-Media-Kampagne.

Harry Myo Lin, Programmverantwortlicher für das Asien-Programm bei KAICIID, betont, dass das Training von einer früheren Initiative für soziale Medien in der arabischen Welt inspiriert wurde. Seiner Ansicht nach ist das Programm in Asien „eine Gelegenheit, in der Region mehrere Aktionen zu starten, die sich auf die Bekämpfung von Hassrede durch den verantwortungsvollen Einsatz sozialer Medien bei Zielgruppen wie Friedensförderern, politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern, religiösen Fachleuten und Jugendlichen konzentrieren“.

Die nächste Schulung zum Thema „Soziale Medien als Raum für Dialog“ wird Ende des Monats in Lissabon stattfinden. Rohmawati wird als „Master Trainer“ fungieren und ihre Erfahrungen mit neun anderen Ausbilderinnen und Trainern aus sieben asiatischen Ländern teilen.

Initiativen wie diese, so Myo Lin, schaffen „bessere Strukturen für den interreligiösen Dialog, fördern den Frieden und den sozialen Zusammenhalt und reagieren auf relevante lokale und globale Herausforderungen“.

Im Fall von Rohmawati bedeutet dies eine weitere Ausdehnung des Projekts ihrer Organisation.

Sie ist der Meinung, dass die Zeit für einen kulturellen Wandel in der Frage der Gewalt gegen Frauen in Indonesien gekommen ist. Nachdem am 12. April ein nationales Gesetz zur Beseitigung sexueller Gewalt verabschiedet wurde, ist das Thema Gewalt gegen Frauen heute viel präsenter als früher, so Rohmawati.

„In der Gesellschaft sind Frauen heute eher in der Lage, über die Gewalt zu sprechen, die sie in der Vergangenheit erlebt haben“, sagt sie. „Unser Projekt ist Teil dieses gestiegenen Bewusstseins und soll dafür sorgen, dass Frauen nicht nur im Verborgenen, sondern auch an vorderster Front an der Diskussion teilnehmen.“

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