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Fellows, Glaube und Freundschaft

02 Jun 2021
KAICIID Fellows Janani Chaitanya und Dr. Nourah Alhasawi. Fotos: Payton Bruni und Helmy Al Sagaff

 

Dr. Nourah Alhasawi und Janani Chaitanya engagieren sich gemeinsam für die Menschheit und haben so eine starke Partnerschaft geschmiedet.

Als die Hinduistin Janani in Indien lebte, weit weg von ihrem Zuhause in Oregon, USA, verspürte sie zum ersten Mal die Sehnsucht, "das Andere" zu entdecken.

Die Muslimin Nourah war immer schon neugierig zu verstehen, wie Menschen ihre Beziehung zu Gott aufbauen.

„Ich wollte andere so sehen, wie auch wir selbst gesehen werden wollen, so wie wir wirklich sind, vollwertige menschliche Wesen, die eine Beziehung haben, die auf gegenseitigem Respekt, Verständnis und vor allem Gleichheit beruht“, erzählt sie.

Die beiden Frauen lernten einander Anfang 2015 kennen, als sie Teil der ersten Gruppe des KAICIID Fellows-Programms waren. Zu diesem Zeitpunkt hatten beide ihre vorgefassten Meinungen von Dialog abgelegt – etwa die Einstellung, dass es nicht viel mehr braucht, als gute Absichten zu vertreten, um erfolgreichen interreligiösen Dialog zu führen. Oder dass interkultureller Dialog zwischen Gemeinschaften, die durch eine gemeinsame Sprache verbunden sind, wie zum Beispiel aus den USA und Großbritannien, wahrscheinlich nicht erforderlich ist.

An jenem ersten Tag des Programms waren es nicht die Gemeinsamkeiten der beiden Frauen, sondern die deutlichen Unterschiede, die die Tür zu einer mittlerweile fünfjährigen Partnerschaft öffneten. Nourah erinnert sich, dass sie Jananis Entscheidung, eine strenge Diät zu halten, hinterfragte. Janani beschäftigten viele offene Fragen dazu, wie die gewalttätigen Handlungen des Islamischen Staats und eine Assoziation mit dem Islam möglich sein könnten – eine Voreingenommenheit, die, wie sie nun weiß, durch spekulative Medienberichte über dieses komplizierte Thema beeinflusst wurde.

Gemeinsame Basis durch interreligiösen Dialog

Eine gemeinsame Basis schien zunächst sehr unwahrscheinlich. Janani war skeptisch, doch sie stellte sich der Herausforderung, zu beweisen, dass interreligiöser Dialog funktionieren kann, indem sie auf jemanden zugeht, mit dem sie „auf einer fundamentalen Ebene“ nicht übereinstimmt.

Anstatt die Unterschiede der jeweils anderen hervorzukehren, versuchten Nourah und Janani, die Perspektiven der anderen besser zu verstehen. Sie vertieften sich in Themen wie das Leben nach dem Tod und verschiedene islamische Praktiken. Das unmittelbare Eintauchen in wichtige Themen beflügelte ihr Verständnis für die Lebensrealitäten der jeweils anderen. Daraufhin schlug Janani vor, die beiden sollten gemeinsam ein Buch über das Leben als gläubige Frauen im Dialog schreiben und dabei ihre Erfahrungen aus Österreich, Indien, Malaysia, Saudi-Arabien und den USA einbringen.

Nourah fiel es leicht, dem Vorschlag für das Buch zuzustimmen, da sie von Jananis Aufrichtigkeit überzeugt war. „Als sie mir Fragen über den Islam stellte, habe ich ihr ausführlich geantwortet. Ich hatte das Gefühl, dass sie sehr interessiert an dem war, was sie mich fragte.“

Für Janani waren diese ersten Gespräche mit Nourah wegweisend und eröffneten eine neue und unerwartete Dimension des Dialogs.

„Wenn man die Möglichkeit hat, jemanden aus einer Kultur kennenzulernen, die sich so sehr von der eigenen unterscheidet, baut man sowohl eine interkulturelle als auch eine interreligiöse Beziehung auf“, führt sie aus.

Fünf Jahre später sagen Janani und Nourah, dass sich ihre Beziehung zu etwas noch Substanziellerem und Befriedigenderem entwickelt hat. Sie beschreiben ihre interreligiöse Freundschaft mit Begriffen wie Hingabe, Engagement, Demut, Verletzlichkeit, Mut, Vertrauen und Tiefe.

Nach vielen persönlichen Kontakten, getragen von Offenheit, wissen die Frauen, dass sie Teil gesellschaftlicher Gruppen sind, die sich von jener der jeweils anderen unterscheiden. Nourah beschreibt die Bande, die sie verbinden so: „Es ist schwierig, Räume zu finden, in denen man wirklich vertrauensvoll sein und sein wahres Ich zeigen kann, in denen man dem anderen ein guter Freund und ein netter Mensch sein kann. Diese Verbindung erinnert einen immer daran, dass man anders ist als diese Person. Manchmal finde ich das schwierig und zu anderen Zeiten wunderbar – in der Lage zu sein, diese Grenze hin und wieder zu überschreiten, die Menschlichkeit im anderen zu sehen und eine Unterstützung zu sein.“

„Keine von uns will beweisen, dass eine Recht und die andere Unrecht hat“, meint Janani. „Es geht mehr um die Frage, wie wir einander unterstützen können. Wie wir trotz der Entfernung unserer Heimatorte zusammenstehen können, in Anbetracht der Tatsache, dass viele Menschen aus unseren Kulturen und viele Menschen aus unseren Religionen nicht miteinander auskommen.“

Vielfalt fördern und feiern 

Nourah und Janani haben ihrem ersten gemeinsamen Projekt den Arbeitstitel gegeben: „Zwei Frauen, zwei Kulturen, zwei Religionen: Ein Dialog“. Das Buch ist noch in Arbeit, aber beide Frauen sind entschlossen, etwas fertigzustellen, das ihre Verbundenheit würdigt.

 „Ich möchte betonen, wie sehr wir uns gegenseitig unterstützen. Ohne Janani würde ich das nicht schaffen“, erklärt Nourah. Janani stimmt zu: „Ich würde auf jeden Fall sagen, dass wir uns nicht nur für das Projekt engagieren, sondern auch füreinander. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn sonst würde es nicht funktionieren.“

Die zwei unerschrockenen Verfechterinnen interreligiösen Dialogs sind noch dabei, die Dimensionen zu entdecken, in denen der Dialog hilfreich sein kann. Es kann gar nicht anders sein, denn sie mussten in den letzten Jahren geografische, kulturelle, persönliche und berufliche Hürden überwinden, um die Geschichten der jeweils anderen zu erfahren und zu verstehen.

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