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Family Tec: Förderung des sozialen Zusammenhalts in Jordanien mit Dialog und Medienkompetenz

15 Jun 2021
Teilnehmerinnen und Teilnehmer warten auf den Beginn der Dialogsitzungen. Foto: Shorouq Al-Hamaideh

Family Tec wird von jungen Menschen geleitet und ist im Verwaltungsbezirk Tafilah im Süden Jordaniens tätig. Es ist eines der Dialogue-60-Projekte, die von KAICIID im Jahr 2020 unterstützt wurden.

Die Initiative kooperiert mit den Jugendgruppen des Jordanischen Haschemitischen Fonds für menschliche Entwicklung, der zum Königin Alia Zentrum für Sozialarbeit gehört. Das Projekt hat zum Ziel, eine „digitale Familie“ mit Medienkompetenz zu schaffen. Menschen sollen in der Lage sein, Online-Inhalte und Mediendiskurse zu analysieren und soziale Netzwerke nutzen, um sich für Frieden einzusetzen.

Shorouq Al-Hamaideh, Gründerin von Family Tec, berichtet, wie KAICIIDs Unterstützung wesentlich dazu beigetragen hat, gute Absichten in praktisches Handeln zu verwandeln.

„Wir wollten unserer Gemeinschaft einen Dienst erweisen, denn wir wussten, dass es Bedarf für unser Angebot gibt, aber die Finanzierung ist immer ein Problem“, berichtet sie.

Dringender Bedarf an Medien- und Informationskompetenz

„Die Idee von Family Tec entspringt im Grunde unserem Glauben, dass es wichtig ist, eine Gesellschaft mit Medienkompetenz zu schaffen und zielgerichteten Konsum von sozialen Medien zu fördern“, so Al-Hamaideh weiter. „Wir jungen Leuten können der Öffentlichkeit, die mit einer immer größeren Flut an Inhalten in der digitalen Welt konfrontiert ist, helfen, Wissen zu erwerben, Erfahrungen zu sammeln und Medien- und Informationskompetenzen zu entwickeln. Bürgerinnen und Bürger sollten informiert sein und die nötigen Fähigkeiten haben.“

Statistiken zeigen, dass im Jahr 2021 61,5 Prozent der jordanischen Bevölkerung soziale Medien nutzen. Eine von der UNESCO durchgeführte Umfrage unter Jordanierinnen und Jordaniern im Alter von 18 bis 29 Jahren ergab, dass 91 Prozent täglich soziale Netzwerke nutzen. Nach Ansicht von Expertinnen und Experten ist es daher unerlässlich, das Bewusstsein für die wachsenden und sich weiterentwickelnden Plattformen zu schärfen.


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Eine große "digitale Familie”

Family Tec verwendet den Begriff „digitale Familie“ und meint damit Menschen, die sich regelmäßig in sozialen Netzwerken bewegen. Die Initiative vertritt die Ansicht, dass die Mitglieder dieser „Familie“ Sorgfalt walten lassen müssen, wenn sie online interagieren. „Wir wollen Menschen befähigen und es ihnen ermöglichen, Hassrede, Diskriminierung, Mobbing und Polarisierung entgegenzuwirken“, sagt Al-Hamaideh. „Wir wollen Brücken der Kommunikation bauen. Die Macht der sozialen Medien liegt in ihrer Fähigkeit, ein immer größer werdendes Publikum maßgeblich zu beeinflussen, und das macht sie auch gefährlich.“

Family Tec begann im Jahr 2019 mit Dialogveranstaltungen und Beratungsangeboten für die verschiedenen Gemeinschaften in Tafilah, darunter Menschen aller Altersgruppen und Hintergründe sowie Flüchtlinge.

„Wir arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, die mehr Wissen über Sicherheit im Netz brauchen, und zum Beispiel mit jenen, deren Privatsphäre verletzt wurde“, so Al-Hamaideh. „Einige dieser Menschen sind Flüchtlinge, die Unterstützung brauchen, um sich besser in die Aufnahmegesellschaft zu integrieren.“

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus verlagerten sich die Aktivitäten ins Internet. Mit einem Online-Schulungsprogramm wurden rund 2.500 Menschen erreicht. „Wir erhielten eine überwältigende Menge an positivem Feedback von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.“

Raya Mohamed, eine der Projektteilnehmerinnen, war nicht bewusst, dass sie unsensibel auf die Gefühle anderer reagieren würde, bis sie selbst mit Mobbing auf Facebook konfrontiert war. Sie wurde von einem öffentlichen Nutzerprofil wegen ihres Gesundheitszustands schroff angegriffen. Dieser Vorfall brachte sie zur Teilnahme an den Veranstaltungen von Family Tec.

„Ich habe in meinem Alltag ungewollt Mobbing betrieben. Ich sagte Dinge zu Menschen, die sie verletzten, und ich dachte, das sei in Ordnung“, erzählt Mohamed.  „Doch ich nahm an den Dialogsitzungen teil und fing an, den Leuten zuzuhören, die offen über ihre persönlichen Erfahrungen als Mobbingopfer berichteten. Da wurde mir klar, dass ich selbst ein Mobber war. Wir müssen uns in die Lage anderer Menschen versetzen.“

 

 Shereen Nanish

 

Dialog als Antrieb für Veränderung

Zusätzlich zur Förderung der Medienkompetenz von Bürgerinnen und Bürgern sowie Flüchtlingen in Jordanien, online als auch offline, erweiterten Al-Hamaideh und ihr Team ihre Tätigkeiten. Ein Beispiel ist der Family Tec-Bericht, der sich auf die Beobachtung von Medien und Hass im Netz gegen jordanische Frauen, die für die Parlamentswahlen im Jahr 2020 kandidierten, konzentrierte.

Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der 364 Kandidatinnen war erfolgreich. Al-Hamaideh ist überzeugt, dass dies zum Teil auf den vorherrschenden Ton in den sozialen Medien zurückzuführen sei. „Frauen wurden von einigen Nutzerinnen und Nutzern in den sozialen Medien in negativer und abwertender Weise dargestellt. Daraufhin zogen viele ihre Kandidatur zurück. Schlussendlich haben es nur 15 Frauen geschafft. Abseits der Quote von 15 Sitzen für Frauen wurde also keine einzige ins Parlament gewählt.“

Family Tec startete nach den Wahlen eine Kampagne im Internet, die aus Videobotschaften besteht. Die Strategie der Kampagne konzentriert sich auf die Einbeziehung von religiösen Führerinnen und Führern, Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie Medienschaffenden zur Förderung des Zusammenhalts.

„Dialog kann einige der negativen soziokulturellen Traditionen verändern und dabei helfen, Stereotype zu durchbrechen, von denen einige die Fähigkeiten von Frauen in gewissen Bereichen untergraben. Dies ist eines von vielen Zielen, die unser Projekt zu erreichen versucht. Wir wollen eine Kultur des Respekts, der Vielfalt, der Rücksichtnahme und der Toleranz in unseren digitalen Gemeinschaften forcieren“, erklärt Al-Hamaideh.

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