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Empowerment der Frauen: Ein wichtiger Schritt zu internationalem Frieden und Sicherheit

26 Nov 2020
KAICIID Fellow Justina Ngwobia Teaches Women to be Peace Negotiators

In diesem Jahr feiern die Vereinten Nationen den 20. Jahrestag der Verabschiedung der Sicherheitsratsresolution 1325 (2000) zu Frauen, Frieden und Sicherheit. Die wegweisende Resolution würdigt den immensen Beitrag von Frauen zu internationalem Frieden und Sicherheit sowie ihre entscheidende Rolle bei der Konfliktverhütung, Friedenserhaltung, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung.

In Nigeria ist KAICIID Fellow Justina Mike Ngwobia dem Aufruf der Vereinten Nationen gefolgt und setzt sich für die Ausbildung von weiblichen Führungskräften ein, um Konflikte zu verhindern und deren Beteiligung an Friedensprozessen zu gewährleisten.

 

Für Justina Mike Ngwobia steht die Stärkung der Rolle der Frau im Mittelpunkt, um globalen Wohlstand zu erreichen und gewaltsame Konflikte zu beenden.

„Frauen machen fast die Hälfte der Weltbevölkerung aus. Eine Gesellschaft, die dieses bedeutende Potenzial an Humanressourcen vernachlässigt, kann keine sinnvolle Entwicklung erreichen“, führt sie aus.

Diese Grundsätze sind in der Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030 und in der Resolution 1325 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verankert, in der die Auswirkungen eines Krieges auf Frauen und ihre integrale Rolle bei der Schaffung friedlicher und gerechter Gesellschaften hervorgehoben werden.

Schon bevor COVID-19 Sicherheitsstrukturen bedrohte und Gewalt und Menschenrechtsverletzungen zu eskalieren schienen, waren Frauen und Mädchen von Konflikten und Instabilität unverhältnismäßig stark betroffen. Die Vereinten Nationen haben ihre Mitgliedstaaten aufgefordert, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten zu schützen, insbesondere vor geschlechtsspezifischer Gewalt, Vergewaltigung und anderen Formen sexuellen Missbrauchs.

„Ein Konflikt wirkt sich auf Frauen anders aus als auf Männer“, so Ngwobia. „In fast allen Teilen der Welt sind Frauen mit Bedrohungen für Leib und Leben, Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen konfrontiert. Sie sind mit Arbeit überlastet und es mangelt ihnen an Macht und Einfluss.“

Ngwobia ist der Ansicht, dass das Versäumnis, Frauen in Friedensprozesse einzubeziehen, dazu führt, dass Ungleichheiten verschärft werden und Konfliktsituationen eskalieren. „Deshalb ist die Resolution 1325 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ein wichtiges politisches Dokument, das die Bedeutung der Einbeziehung und Beteiligung von Frauen an Frieden und Sicherheit anerkannt hat.“

Am 7. September 2001 brachen in Ngwobias Heimat Jos Unruhen zwischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften aus, die fast zwei Wochen dauerten und über 1.000 Menschenleben forderten. Zu dieser Zeit arbeitete sie mit dem Christlichen Rat in Nigeria zusammen, um die christlich-muslimischen Beziehungen zu verbessern.

„Ich habe gemerkt, dass Frauen eine wichtige Rolle spielen, wenn es um das Ende von Gewalt geht.“ Nach den Unruhen arbeitete Ngwobia im nächsten Jahrzehnt unermüdlich daran, Frauen von passiven Zuschauerinnen zu mächtigen Protagonistinnen zu machen.

Im Jahr 2016 schloss sie sich dem KAICIID Fellows-Programm an und startete danach eine Initiative, die eine Gruppe mutiger Frauen vereinte, die sich dafür einsetzten, gespaltene christlich-muslimische Gemeinschaften in Nigeria zu versöhnen.

Zusammen mit einem muslimischen Kollegen hat Ngwobia christliche und muslimische Frauen gelehrt, Konflikte zu verhindern, zu überwachen, zu analysieren und zu schlichten. Bis heute wurden im Rahmen des fünftägigen, mehrstufigen Programms fast 300 Frauen in den Bundesstaaten Adawama, Kaduna, Plateau und Taraba ausgebildet.

Der erste Teil des Programms zielt auf Vertrauensbildung ab, die laut Ngwobia eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Programms ist. „Wir wollen, dass die Frauen erkennen, wozu sie wirklich in der Lage sind.“

Die folgenden Programmteile konzentrieren sich auf die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten, das Verstehen der Konfliktparteien und die Nutzung interreligiösen Dialogs für Frieden.

UN Women hat die Initiative anerkannt und die Teilnehmerinnen zu Friedensmentorinnen ernannt. Solche Mentorinnen haben die Aufgabe, andere Frauen in Nigeria darin zu schulen, sich aktiv mit Friedens- und Sicherheitsfragen zu befassen und gegen geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten in ihren Gemeinden zu kämpfen.

Ngwobia ist der Ansicht, dass dies ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Rolle der Frau ist und definiert ihn so: „Es geht um das Schaffen einer Atmosphäre, in der Frauen fundierte Entscheidungen über persönliche Interessen und Vorteile für sich sowie für ihre Gemeinschaft treffen können“.

Gezielte Initiativen an der Basis, wie die von Ngwobia, sowie Kampagnen auf nationaler Ebene haben Frauen nach und nach Türen geöffnet, um auf dem ganzen Kontinent mehr Führungsrollen zu übernehmen. „In den letzten 20 Jahren hat die Präsenz von Frauen in den nationalen Parlamenten zugenommen, insbesondere durch die Paritätskampagne der Afrikanischen Union (AU) im Verhältnis 50:50 und die AU-Gender-Politik 2010“, so das Büro des Sonderberaters für Afrika bei den Vereinten Nationen. „Allerdings ist der Anteil der Parlamentssitze im regionalen Durchschnitt mit nur 22,4 Prozent für Frauen und 77,6 Prozent für Männer nach wie vor gering. Die Prozentzahl der von Frauen besetzten Ministerposten ist noch etwas geringer.“

„Durch ständigen Missbrauch religiöser Praktiken, patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen sowie kultureller und traditioneller Stereotypen, die Männern in allen Bereichen der Gesellschaft, einschließlich der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Macht, die Oberhand gegeben haben, wurden Frauen in den Hintergrund gedrängt“, so Ngwobia.

Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede sind innerhalb von Friedensprozessen noch deutlicher spürbar, was Initiativen wie die von Ngwobia besonders wichtig macht. Zum Beispiel „stellten Frauen zwischen 1992 und 2019 in wichtigen Friedensprozessen weltweit durchschnittlich 13 Prozent der Unterhändler, 6 Prozent der Vermittler und 6 Prozent der Unterzeichner. In etwa sieben von zehn Friedensprozessen waren weder Vermittlerinnen noch Unterzeichnerinnen vertreten“, so der Rat für auswärtige Beziehungen.

Ngwobia argumentiert, dass der Mangel an Frauen am Verhandlungstisch der Grund dafür ist, dass viele Friedensprozesse scheitern. „Sei es in der Regierungsführung oder Friede und Sicherheit, durch die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen wird diesem Prozess eine integrativere Perspektive verleihen. Die meisten Verhandlungen scheitern, weil nicht jedes Segment der Gesellschaft von Anfang an einbezogen wurde.“

Heute arbeitet Ngwobia daran, ihre Projekte auszuweiten und sucht nach zusätzlichen Partnern und Ressourcen. Sie ist besonders stolz darauf, dass ihre Initiative Frauen dabei hilft, sich selbst als selbstbewusste Teile der Gesellschaft zu sehen und zu Akteurinnen des Wandels in ihren Gemeinden zu werden.

Sie setzt sich auch intensiv für die Kräftigung und Förderung kultureller und religiöser Werte ein, die den Chancen und der Inklusion von Frauen zugrunde liegen. Oft bedeutet dies, dass sie sich für die Partnerschaft und Unterstützung männlicher Führungspersönlichkeiten in ihrer Gemeinde einsetzt, damit sie Fragen der Gleichstellung der Geschlechter gemeinsam angehen können.

„Die Fähigkeit, Frauen zu ermächtigen, damit sie sich aktiv an allen Aspekten von Entscheidungsprozessen beteiligen können, und die Fähigkeit, sich so zu engagieren, damit Männer in den Kampf um die Ermächtigung der Frauen einbezogen werden, macht für mich als afrikanische Frau den Unterschied aus. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich allein nicht erfolgreich sein kann.“

Ngwobia fügt hinzu, dass, obwohl sich die Definition von Frauen-Empowerment nicht zwischen Kontinenten oder Kulturen unterscheidet, es auch wichtig ist, anzuerkennen, dass es je nach regionalem Kontext unterschiedliche Bedürfnisse geben kann.

„Was wir als afrikanische Frauen brauchen, ist der Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Justiz und Menschenrechten. Für Frauen in Europa kann es darum gehen, dass sie mehr Anerkennung brauchen. Hier kommt der Unterschied ins Spiel.“

Dennoch seien die positiven Beiträge von Frauen zu Konfliktlösung und Friedensprozessen überall auf der Welt die gleichen, meint sie.

„Frauen sind emotional intelligent und ihre Herzen sind voller Mitgefühl. Dies sind mächtige Trümpfe, die die Herausforderungen in Konflikten und Kriegen rund um den Globus verringern können. Wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, sich zu beteiligen und ihre unschätzbaren Perspektiven einzubringen, kann ich bezeugen, dass die Welt ein besserer Ort sein wird.“

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