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28 Jul 2021
Zaid Bahr Al-Uloom – KAICIID Fellow und Direktor der Al-Balaghi Academy (Al-Khoei Institut). Foto: Hayder Almosaw

Zaid Bahr Al-Uloom ist der Meinung, dass sich die Definition von Bürgerschaft im Irak verändert. Der Großteil der Irakerinnen und Iraker würde gleiche Rechte und Pflichten für alle wollen, um ein Land zu schaffen, in dem alle Menschen ihre Träume verwirklichen können.

Der Irak besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Identitäten, zu denen Menschen mit Bahá'í-, christlichem, mandäischem, muslimischem, jesidischem und Ahl-e Haqq (Yarsani) Glauben gehören. Für Zaid ist religiöser und kultureller Pluralismus eine wichtige und notwendige Einstellung zum Leben.

Zaid wurde im Jahr 1981 in Bagdad geboren und wuchs in Nadschaf auf, einer Stadt im Zentrum des südlichen Iraks. Während seines Studiums an der Universität begann er ein Ausbildungsprogramm an der Hawzah, einem Seminar für schiitische Geistliche. „Die Hawzah ist der Höhepunkt des schiitischen Religionsstudiums. Sie hat immer humanitäre Grundsätze vertreten“, erklärt Zaid. Er verfolgt diese Prinzipien auch in seiner eigenen interreligiösen Arbeit an der Al-Balaghi Academy.

Interreligiöse Bildung im Irak fördern

Eine Initiative in den USA namens Borgen Project lenkt die Aufmerksamkeit der Politik auf die weltweite Armut. Laut Borgen Project führt die zu starke Konzentration auf Religion zu Konflikten innerhalb der irakischen Bevölkerung. Das Bildungssystem des Iraks wurde im Jahr 2008 reformiert und neue Standards eingeführt, die den islamischen Unterricht in den Vordergrund stellen. Dies führte zu einer Ungleichheit hinsichtlich des Religionsunterrichts im Land, da religiöse Minderheiten nicht die Möglichkeit hatten, über ihre eigene Glaubensrichtung zu lernen.

Im Jahr 2017 wurde Zaid für das KAICIID Fellows-Programm ausgewählt. Er wusste, dass der Irak religiös sehr vielfältig ist. Es erschien ihm daher unverständlich, dass die Anhängerinnen und Anhänger anderer Glaubensrichtungen aus den Lehrplänen für Religionsunterricht ausgeschlossen waren.

„Es gibt andere Religionen, ob wir das nun wollen oder nicht“, sagt er und erklärt, dass religiöser Pluralismus in der Bildung wichtig sei. „Alle Religionen haben das gleiche Ziel und ehren die gleichen menschlichen Werte, die zur Gänze universell sind.“

Aktuell nimmt er als Forscher am Al-Khoei Institut in Nadschaf eine zentrale Rolle bei der Beratung von politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern und anderen Akteuren im irakischen Bildungssystem ein. Das Institut setzt auf Sensibilisierung, um die Beteiligten dazu zu bewegen, die Bedeutung pluralistischer religiöser Perspektiven im heimischen Bildungswesen zu akzeptieren.

Zaid lädt einflussreiche Entscheidungsträgerinnen und -träger im Bildungsministerium, wichtige Meinungsmacher, Lehrkräfte, Bildungsorganisationen und Personen, die direkt an der Lehrplanentwicklung beteiligt sind, zur Teilnahme an der Programmgestaltung des Instituts ein. So bemüht er sich um die Schaffung eines kollektiven Bewusstseins, das sich mit der Notwendigkeit eines inklusiveren Religionslehrplans befasst. Er hofft, dass das Institut einen breiten und nachhaltigen Konsens für die Idee der religiösen Inklusion in irakischen Schulen schaffen kann.

„Es ist ein langwieriger Prozess, alle Beteiligten für die Idee des Pluralismus in der Bildung zu gewinnen“, gibt Zaid zu. Dennoch lässt er sich nicht entmutigen, denn er ist von der Vision eines Religionsunterrichts überzeugt, der allen Mitgliedern einer vielfältigen irakischen Gesellschaft gerecht wird. „Wir arbeiten daran, den derzeitigen Religionsunterricht so zu verändern, dass er Christen, Jesiden, Sabäern, Mandäern, sunnitischen und schiitischen Muslimen, sprich, allen Menschen, gerecht wird. Wir arbeiten auch daran, eine Atmosphäre des gesellschaftlichen Friedens, der Akzeptanz des ‚Anderen‘ und der friedlichen Koexistenz zwischen allen Menschen zu schaffen. Wir richten uns an Kinder in Grund-, Sekundar- und Oberstufenschulen und wollen ihnen die Liebe zum ‚Anderen‘ vermitteln“, erklärt er.

Zaid ist der Meinung, dass zwei Faktoren für die religiöse Vielfalt sprechen: der gesunde Menschenverstand und der Glaube. „Alle Religionen werden weiter existieren, ob wir das wollen oder nicht. Wenn ich als Muslim und Schiit meine religiösen Grundsätze betrachte, stelle ich fest, dass weder in den heiligen schiitischen Texten noch irgendwo sonst im Islam dazu aufgerufen wird, Anhängerinnen und Anhänger anderer Religionen zu unterdrücken.“

Zusammenleben und Integration des "Anderen"

Zaid ist überzeugt, dass sein Glaube ihn dazu auffordert, mit „dem Anderen“ friedlich zusammenzuleben und ihn zu stärken. „Wenn wir koexistieren wollen, müssen wir die Vielfalt auf positive Weise nutzen. Alle Religionen verteufeln die Lüge, alle Religionen ehren die menschliche Seele, alle Religionen ehren das menschliche Blut, alle Religionen verbieten die Übertretung von Gesetzen, die das Land oder den Reichtum einer anderen Person betreffen.“

Zaid erklärt, der soziale Fortschritt in seinem Land ermutige ihn und dass die modernen Irakerinnen und Iraker beginnen, die religiöse Inklusion zu leben.

„Wenn wir den Fortschritt von 2003 bis heute graphisch darstellen könnten, würden wir feststellen, dass das kollektive Bewusstsein der irakischen Gesellschaft gewachsen ist und sich zum Besseren verändert hat. Das gilt für das ganze Land und auch für die Menschen hier in Nadschaf.“

Mit Blick auf die Zukunft ist Zaid entschlossen, bei der Neugestaltung des Lehrplans für Religion zu helfen. Er freut sich, dass er eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema angestoßen und es auf eine neue Ebene gehoben hat. Zuvor galt es als undurchsichtig und zu komplex, sodass sich nur wenige trauten, es auch nur anzugehen, geschweige denn sich damit auseinanderzusetzen.

Zaid freut sich, dass er zu den ersten gehört, die zu dieser Diskussion beitragen. Dabei unterstützt hat ihn sein Cousin Haydr, auch ein Absolvent des Fellows-Programms, der Direktor des Zentrums für Kultur und Forschung in Nadschaf sowie Direktor des Lehrstuhls für Dialog an der Bahr Al-Uloom Charity Foundation ist. „Wir waren diejenigen, die diese Barriere durchbrochen haben, zumindest in Nadschaf.“

Zaid hatte den Mut, dieses wichtige Thema in den Vordergrund zu rücken. Er ist optimistisch, dass der erste Schritt, um pluralistische religiöse Bildung aus dem Bereich der theoretischen Möglichkeiten in die Praxis zu bringen, erfolgreich absolviert wurde.


Dieser Beitrag ist Teil einer größeren Serie über fünf Jahre Fellows-Programm. Lesen Sie mehr hier.


 

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