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Eine bessere Welt für alle: Kardinal John Onaiyekan über sein Engagement für den Frieden beim Interreligiösen G20-Forum

08 Okt 2020

Im Jahr 2005 wurde Kardinal Onaiyekans Arbeit für Frieden und Deeskalation auf eine harte Probe gestellt. Eine dänische Zeitung hatte satirische Karikaturen des Propheten Mohammed abgedruckt. Nigeria stand unter Schock, ein gewaltsamer Aufstand zwischen der christlichen und der muslimischen Gemeinschaft des Landes, der hunderte Opfer forderte, war die Folge.

Nach Besuchen des israelischen Botschafters und eines Vertreters der Palästinensischen Befreiungsorganisation wandte sich Kardinal Onaiyekan an den Sultan von Sokoto, den Führer der muslimischen Gemeinschaft Nigerias. Gemeinsam gaben zwei der einflussreichsten religiösen Führer Nigerias eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie darlegten, dass der Vorfall keine muslimisch-christliche Angelegenheit sei. Sie forderten beide Seiten auf, den Konflikt friedlich beizulegen.

In den vergangenen Jahren hat sich Seine Eminenz Kardinal John Olorunfemi Onaiyekan, Metropolitanerzbischof von Abuja, Nigeria, den Ruf erworben, bei Konflikten, insbesondere interreligiöser Natur, zu intervenieren.

Friedensförderung und Gerechtigkeit

Nach seiner Ausbildung und Arbeit in der Kirche wurde Kardinal Onaiyekan im Alter von 38 Jahren zum Weihbischof von Ilorin ernannt. Kardinal Onaiyekan ist mittlerweile von seinen offiziellen kirchlichen Pflichten zurückgetreten. Er setzt sich aber weiterhin für die religiöse Friedensförderung und Gerechtigkeit in Afrika südlich der Sahara und in der ganzen Welt ein.

Im Jahr 2012 wurde er von der katholischen Organisation Pax Christi International zum Friedenspreisträger 2012 ernannt. Der Preis wird jährlich an herausragende Persönlichkeiten verliehen, die sich weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und das Ende der Gewalt einsetzen.

„Ich engagiere mich auf internationaler Ebene aus denselben Gründen, aus denen ich in meinem Land an der vordersten Front des christlich-muslimischen Dialogs stehe - um für Gerechtigkeit und Frieden zu arbeiten“, so der Kardinal.  

Aufgrund seines herausragenden interreligiösen Engagements in Nigeria und seinen Bemühungen für die Förderung des Friedens während seiner gesamten Laufbahn ist er Ehrenpräsident von Religions for Peace (RfP). Er war Präsident der Christlichen Vereinigung Nigerias und Präsident der Katholischen Bischofskonferenz von Nigeria.

Kardinal Onaiyekan wurde eingeladen, am Interreligiösen G20-Forum mitzuwirken, das vom 13. bis 17. Oktober stattfinden wird. Er sieht seine Teilnahme als Gelegenheit, die Bedeutung des Glaubens bei der Konfliktlösung und der nachhaltigen Entwicklung in den Vordergrund zu rücken.

„In der Vergangenheit waren die G20 nicht dafür bekannt, Religion sehr ernst zu nehmen. Durch das Interreligiöse Forum haben wir jetzt die Möglichkeit, für Religionsgemeinschaften relevante Fragen an diese Gruppe heranzutragen.“

Der Kardinal betonte, dass die auf dem Forum diskutierten Themen - von globaler Armut bis zum Schutz des Planeten - miteinander verbunden sind. „Es ist alles dasselbe, es ist alles miteinander verbunden. Die Lösung des einen führt zur Lösung des anderen“, fügte er hinzu.

Vernetzung der Nationen

Genauso wichtig ist für Kardinal Onaiyekan die Vernetzung der Nationen. „Die Konfliktthemen auf der ganzen Welt sind mit den Fragen der Weltwirtschaft und wie diese organisiert (oder unorganisiert) ist, verbunden. Mit anderen Worten: Wenn die G20 die wichtigsten Länder der heutigen Welt repräsentieren, dann entscheiden sie auch darüber, wie viel Frieden wir in dieser Welt haben werden. Dafür müssen sie Verantwortung übernehmen!“

Im Hinblick auf seine Rolle als christlicher Führer in Nigeria, das nicht Mitglied der G20-Nationen ist, meint er, dass sein Volk nur hoffen könne, von einigen der „positiven Auswirkungen“ der Diskussionen, die auf dem Gipfel stattfinden werden, profitieren zu können.

Das bedeutet, die teilnehmenden Nationen haben die besondere Verantwortung, an diejenigen zu denken, die nicht anwesend sind, wenn die G20 zusammenkommen, um über die globale Wirtschaft und den Stand der Weltpolitik zu diskutieren.

„Ich hoffe, dass sie bei ihrem Zusammentreffen die Interessen des Weltfriedens und der Gerechtigkeit im Auge haben und die Weisheit, zu erkennen, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, eine bessere Welt für alle zu schaffen“, so Kardinal Onaiyekan.

Er will auch kürzlich gemachte Erfahrungen mit den G20 teilen. Dazu zählt das Engagement bei der Internationalen Partnerschaft für Religion und nachhaltige Entwicklung (PaRD) und dem von KAICIID unterstützten Interreligiösen Dialogforum für den Frieden (IDFP), dem er als Mitglied des Kuratoriums angehört.

Diese Partnerschaften haben ihn noch stärker mit den Fragen des interreligiösen Dialogs auf der ganzen Welt konfrontiert.

„Was wir aus den Diskussionen und Begegnungen auf globaler Ebene lernen, hilft uns, Fragen auf unserer eigenen lokalen Ebene zu behandeln, wo direktes Handeln gefragt ist“, so der Kardinal.

„Es gibt viele Menschen, die in diesem Bereich daran arbeiten, Menschen zusammenzubringen und die Religion vor denjenigen zu bewahren, die ihr einen schlechten Ruf eingebracht haben. Doch KAICIID spielt aufgrund seines zwischenstaatlichen Status und seiner Möglichkeiten, Menschen und Institutionen zu vereinen, eine wichtige Rolle. Die Arbeit des Zentrums ist aktuell wichtiger denn je.“

Hilfe vor Ort

„Wir freuen uns, dass KAICIID uns in Nigeria helfen wird. Das Zentrum bietet wichtige Unterstützung für die Arbeit, die wir vor Ort leisten“, fährt er fort.

Kardinal Onaiyekan hofft, wertvolle Erkenntnisse aus der hochrangigen, multilateralen, interreligiösen Zusammenarbeit, wie zum Beispiel beim Interreligiösen G20-Forum, zu gewinnen und in Nigeria anwenden zu können.

Papst Franziskus hat sich in seiner jüngsten Enzyklika „Fratelli Tutti“ für Brüderlichkeit und Freundschaft als Mittel zum Aufbau einer besseren, gerechteren und friedlicheren Welt ausgesprochen. Kardinal Onaiyekan fügt in Anlehnung daran hinzu: „Das Coronavirus hat uns gelehrt: Solange nicht alle sicher sind, sind alle anderen unsicher.“

„Solange nicht alle Nationen, auch die kleinen, in Frieden und Harmonie leben und ein Minimum an Wohlstand haben, kann es keinen Frieden in der Welt geben. Atomwaffen können diese Art von Frieden nicht erzwingen. Wir hoffen, dass das Interreligiöse Forum diese Botschaft mit größtem Nachdruck unter die G20 bringt“, so Kardinal Onaiyekan.

„Ich wünsche ihnen viel Erfolg dabei!“

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