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Ein Weg aus dem Krieg: religiöse Organisationen ermöglichen kongolesischen Flüchtlingen eine Ausbildung

22 Mar 2021
„Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg“, schärft Zawadi Uwamahoro ihren Kindern ein, mit denen sie aus dem Kongo nach Uganda geflüchtet ist

Das KAICIID-Projekt „Faith4SDGs“ verdeutlicht die Arbeit von religiösen Organisationen im Einklang mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) der Vereinten Nationen. Dabei geht es um hochwertige Bildung, sauberes Wasser, erneuerbare Energie, Arbeitsplätze, sicheren Wohnraum und Gleichberechtigung der Geschlechter. Das Projekt zielt darauf ab, Glaubensgemeinschaften für die Themen der globalen Entwicklung zu mobilisieren und fordert die Anerkennung ihrer Arbeit durch die internationale Gemeinschaft.

Im Jahr 2017 schwappte eine Welle politischer Instabilität über die Demokratische Republik Kongo (DRC) und veränderte Zawadi Uwamahoros Leben komplett. Bewaffnete Männer stürmten ohne Vorwarnung ihr Dorf und verübten blutige Gewalttaten. Das Massaker forderte das Leben von Uwamahoros Eltern, sie und ihre Kinder waren gezwungen zu fliehen.  

Zwischen 2017 und 2019 wurden schätzungsweise fünf Millionen Kongolesinnen und Kongolesen vertrieben. Militante Kämpfer verübten im Nordosten des Landes Morde, sexuelle Gewalt und Brandstiftungen.

„Ich kam als Flüchtling nach Uganda und hatte nichts zum Leben“, so Zawadi Uwamahoro

Uwamahoro schloss sich den Hunderttausenden an, die über die Grenze ins benachbarte Uganda strömten. Dort ist Afrikas größte Flüchtlingsbevölkerung beheimatet. Sie und ihre Kinder fanden Schutz vor der Gefahr, aber ohne Zuhause und ohne Existenzgrundlage sah die Zukunft düster aus.

Doch dann wurde der jungen Frau eine Ausbildung angeboten.

„Ich wusste, dass ich mir die notwendigen Fähigkeiten aneignen musste, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen und um mich als Person weiterzuentwickeln, damit ich für meine Familie sorgen kann“, erzählt Uwamahoro.

Fast 70.000 Menschen, die vor Konflikten und Gewalt flohen, fanden in Rwamwanja, Ugandas größter Flüchtlingssiedlung, Zuflucht. Dort arbeitet Finn Church Aid (FCA) mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und der ugandischen Regierung zusammen, um Flüchtlingen durch Wissensvermittlung und eine Berufsausbildung zu helfen, ihre Not zu überwinden. Uwamahoro wurde ermöglicht, an einem landwirtschaftlichen Lehrgang teilzunehmen und so den Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen.  

„Mein Leben hat sich durch den Lehrgang verändert. Ich lernte über das Führen eines landwirtschaftlichen Betriebes, über den Boden, wie man Gemüse anbaut und erntet, wie man Tiere hält. Ich habe eine Familie, die versorgt werden muss. Vor meiner Ausbildung konnte ich sie nicht ordentlich ernähren, doch jetzt verdiene ich Geld und biete meinen Kindern stabile Verhältnisse.“

 

Bildung für Benachteiligte: Religiöse Organisationen leisten wichtige Hilfe, wenn Regierungen nicht dazu in der Lage sind

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen betreiben religiöse Organisationen wie Finn Church Aid (FCA) die Hälfte aller Schulen und Bildungsprogramme weltweit, vor allem an schwer zugänglichen Orten, wo Regierungen nicht in der Lage sind, armen und gefährdeten Gemeinschaften Bildung zukommen zu lassen.

In den letzten Jahren hat das Ausbildungsprogramm der FCA tausenden Flüchtlingen geholfen, dem Kreislauf aus Armut, Arbeitslosigkeit, Konflikten und Ungerechtigkeit zu entkommen. Das Nachhaltige Entwicklungsziel Nr. 4 heißt Hochwertige Bildung. Im Rahmen des SDG Global Festival of Action werden Geschichten wie die von Uwamahoro hervorgehoben, um die Bedeutung globaler Partnerschaften für die Gewährleistung von Chancengleichheit zu betonen.

Mit den Fähigkeiten, die sie im FCA-Trainingszentrum entwickelt hat, konnte Uwamahoro ein kleines Stück Land bestellen. Nach drei Jahren sind die Beete prall gefüllt mit Kohl, Zwiebeln, Tomaten, Auberginen und Bananen. Zwei Dutzend Hühner und eine Handvoll Schafe und Ziegen gehören auch zu ihrer Farm. Der erwirtschaftete Gewinn wird zum Großteil in den kleinen Betrieb reinvestiert.

Uwamahoro erzählt, dass sie einen Teil ihres Verdienstes bei einem lokalen Sparverein anlegt, ähnlich einem Programm der FCA, das von über 8.000 ugandischen Frauen genutzt wird und neben einem sicheren Ort für ihr Geld auch Schulungen und Kredite anbietet.

Uwamahoros Ausbildung hat ihr jedoch weit mehr als nur ein gewinnbringendes Geschäft beschert: Sie konnte ihren Kindern ein Dach über dem Kopf bieten.

„Ich kam als Flüchtling nach Uganda und hatte nichts zum Leben. Im Rahmen meiner Ausbildung erlernte ich die Grundlagen des Bauens und nutzte dieses Wissen, um mein eigenes Haus von Grund auf zu bauen, sogar mit Solarstromanschluss.“

Das wäre ohne Schulbildung nicht möglich gewesen, ein Menschenrecht, das viel zu vielen Flüchtlingen vorenthalten wird. Weniger als zwei Drittel der Flüchtlingskinder haben nach Schätzungen des UNHCR Zugang zu Grundschulbildung – das ist eine große Diskrepanz zum internationalen Durchschnitt von 91 Prozent. Wenn es um die Sekundarstufe geht, ist der Unterschied sogar noch größer: Weniger als 25 Prozent der Flüchtlinge haben Zugang zu Unterricht auf Oberstufenniveau, weltweit sind es 84 Prozent der jungen Menschen. Auf Universitätsniveau sinkt die Zahl der Flüchtlinge auf nur ein Prozent.

Die Ungleichheit der Geschlechter ist vor allem in den schwächsten Bevölkerungsgruppen ein gravierendes Problem

Die Ungleichheit der Geschlechter zieht sich wie ein roter Faden durch die Thematik. Laut UNHCR besuchen nur halb so viele Flüchtlingsmädchen in Uganda die Oberstufe wie ihre männlichen Altersgenossen. Die Eltern, die nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügen, geben oft der Ausbildung ihrer Söhne den Vorrang, weil sie glauben, dass Burschen später mehr verdienen können.

Uwamahoros Geschichte beweist, dass sich Investitionen in eine junge Flüchtlingsfrau auf weitere Generationen auswirken und anderen zu mehr Gleichheit, Gerechtigkeit und Wohlstand verhelfen. Ihre größte Leistung ist nicht die Landwirtschaft oder der Hausbau, sondern dass sie genug verdient, um ihre Kinder – von denen eines eine adoptierte Kriegswaise ist – als Alleinerzieherin zu unterstützen und sicherzustellen, dass auch sie die Bildung erhalten, die sie für ein besseres Leben brauchen.

„Die beste Schule in der Gegend ist zu weit weg, als dass meine Kinder jeden Tag dorthin fahren könnten. Daher verwende ich das Geld, das ich mit meiner Ernte und meinen Tieren verdiene, um sie auf ein privates Internat zu schicken. Das Niveau der Ausbildung dort ist wirklich hervorragend.“

Uwamahoro konnte ihre Familie aus der Not befreien und wird von der lokalen Gemeinschaft dafür hochgeschätzt. Sie dient als Vorbild für Flüchtlingsmädchen, die ihrem Erfolg nacheifern. Für die Kinder hat die Kongolesin folgende Botschaft: Arbeite hart und lerne viel.

„Ich sage ihnen: Ihr müsst euch Fähigkeiten aneignen. Ihr müsst euren Verstand schärfen und euer Wissen nutzen, anstatt zu trödeln und Zeit zu verschwenden. Setzt euren Verstand ein und nutzt die Ausbildung zu eurem Vorteil.“

Uwamahoro will ihren eigenen Rat beherzigen und in die Schule zurückkehren, um dort weiterzumachen, wo sie damals aufgehört hat. Mit ihrem stetig wachsenden Wissen in Mathematik, Wirtschaft und Geografie hofft sie, ihren Betrieb ausbauen zu können. Wenn alles gut läuft und sie genug verdient, will sie ihre Kinder auf die Universität schicken.

„Ich möchte, dass meine Kinder die beste Ausbildung bekommen, denn Bildung ist das Einzige, was mir geholfen hat, dahin zu kommen, wo ich heute bin“, erzählt sie stolz.

„Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg.“

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