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Das Projekt Dialog 360 fördert sozialen Wandel in Somalia

31 Januar 2022
Lagadera leaders forum
Die NGO HAARAN richtet sich an verschiedene Gruppen, darunter religiöse und glaubensbasierte Organisationen, NGOs und Universitäten.

William Tolbert ist der Programmdirektor von „HAARAN“ (Horn of Africa Aid and Rehabilitation Action Network), einer Nichtregierungsorganisation, die mit behinderten und nicht behinderten Menschen in Somalia und Kenia arbeitet. Er wandte sich an KAICIID, um positive Veränderungen in seiner Gemeinschaft zu bewirken.

„Wir wollten Gewalt und Extremismus im Grenzgebiet von Somalia und Kenia bekämpfen“, erklärt Tolbert. „KAICIID hat uns inspiriert über Gewalt und Extremismus zu sprechen, denn diese Regionen sind stark davon betroffen.“

HAARAN wird von KAICIIDs Initiative „Dialog 360“ (früher Dialogue 60) getragen, die interreligiösen und interkulturellen Dialog sowie die Zusammenarbeit in der gesamten arabischen Region fördert und unterstützt. Die Projekte richten sich an verschiedene Gruppen, darunter religiöse und glaubensbasierte Organisationen, NGOs und Universitäten. Sie konzentrieren sich auf die Bekämpfung von Hassrede, die Bewältigung der Herausforderungen durch die aktuelle COVID-19-Pandemie und die Förderung einer gemeinsamen Bürgerschaft durch interreligiöse Bildung und Sensibilisierung. Dialog 360 hat Organisationen und Menschen aus 15 Ländern unterstützt, dazu gehören der Irak, Libanon, Marokko, Palästina, Somalia, Saudi-Arabien und Jemen.

Tolbert und der Geschäftsführer von HAARAN, Abdi Matan, beschlossen, ihre Bemühungen auf einige der am stärksten marginalisierten Gruppen in Somalia und Kenia zu konzentrieren. Dazu zählen Jugendliche, Frauen, Menschen mit Behinderungen, Binnenvertriebene und ältere Menschen.

„Die meisten Gemeinschaften, die im Grenzgebiet leben, sind von Extremismus bedroht. Viele der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden von Milizen radikalisiert. Jüngere Menschen, die arbeitslos sind, haben keine Unterstützung. Sie schließen sich diesen Milizen an, die die Jugend radikalisieren“, berichtet Matan.

Es ist nicht schwer zu erkennen, warum das Projekt von HAARAN so wichtig ist. Somalia war in den letzten Jahren von Terrorismus und politischen Unruhen betroffen. Das Land hat in letzter Zeit einen Anstieg der Gewalt durch Al Shabaab erlebt – eine der Al Kaida nahestehende militante islamistische Gruppe. Diese bekämpft seit Jahren die Zentralregierung des Landes; versucht, die Macht zu übernehmen und ihre strenge Auslegung der islamischen Scharia durchzusetzen. Auch die politischen Institutionen Somalias sind seit kurzem wegen eines Streits zwischen dem Präsidenten und dem Premierminister handlungsunfähig. Für das kommende Monat sind Parlamentswahlen angesetzt.

Der Höhepunkt von drei Jahrzehnten Chaos hat auch zu einer hohen Zahl von Binnenvertriebenen geführt. In dem Land mit rund 12,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sind etwa 2,9 Millionen Menschen Binnenvertriebene. Das ist eine der höchsten Zahlen weltweit, so der Gesandte der Vereinten Nationen in Somalia.

Lokale Führungspersönlichkeiten ausbilden

Die erste Phase des HAARAN-Projekts, die von September 2020 bis Jänner 2021 lief, konzentrierte sich auf Jubaland, wo es immer wieder zu Notfällen und Spannungen zwischen der Aufnahmegesellschaft und den Binnenvertriebenen kommt. Die NGO half bei der Schulung einer Gruppe von 45 Personen, darunter soziale Anführer, Lehrkräfte und Älteste. Inhalt waren alternative Ansätze für Bildung und Kinderschutz. Die Schulung führte zur Ausarbeitung von Kernbotschaften, die die Grundlage für die Einrichtung von Friedensclubs an Schulen bilden werden. HAARAN hat nun einen ehrgeizigen Plan in Angriff genommen, um 5.000 Kinder und Jugendliche im und außerhalb des Schulsystems in Sachen Frieden und Gewaltlosigkeit zu schulen.

HAARAN verfolgt einen ehrgeizigen Plan, um Kinder und Jugendliche in Sachen Frieden und Gewaltlosigkeit zu schulen.

„Das Projekt zielt auf die Arbeit mit dörflichen Gemeindestrukturen ab, einschließlich der lokalen Führungskräfte“, erklärt Tolbert. „Es gibt Probleme mit Gewalt und Extremismus, Probleme mit Armut, Probleme mit dem Mangel an Arbeitsplätzen für junge Menschen und Probleme mit der schwachen Vertretung religiöser Führer in einigen Gebieten.“

Er führt weiter aus: „Wir haben festgestellt, dass der beste Weg darin besteht, den Gemeinschaften zu helfen, sich ihres Umfelds bewusst zu werden. Sie sollten die Notwendigkeit von Veränderungen verstehen lernen und den Dialog aufnehmen.“

Tolbert sagt, das Projekt habe in seinem Land eine wichtige Diskussion über die gemeinsame Bürgerschaft angestoßen. „Fragen der Staatsbürgerschaft und der Rechte der Bevölkerung sind ein schwarzes Loch in Somalia. Vieles läuft nicht gut. Durch unsere Schulungen lernen die Menschen, dass sie alle Bürgerinnen und Bürger sind, dass sie mitreden dürfen und dass sie eine Stimme haben. Das ist etwas, das uns wirklich ermutigt hat. Dieses Projekt löst einen sozialen Wandel aus, der kulturelle Barrieren, Ungleichheit und sehr sensible Themen betrifft, über die die Menschen bisher nicht gern gesprochen haben.“

Die Schulungen richten sich sowohl an Lehrkräfte als auch an junge Schülerinnen und Schüler. In Abstimmung mit dem somalischen Bildungsministerium sollen in mehreren Schulen Friedensclubs eingerichtet werden. Ein Kooperationsabkommen ist in Vorbereitung.

Die Zusammenarbeit mit KAICIID und Dialog 360 hat sich für HAARAN sehr positiv ausgewirkt. „Wir danken KAICIID für seinen Einsatz, die finanziellen Zuschüsse und den Spielraum, der es uns ermöglicht hat, auf der Grundlage unserer lokalen Situation zu agieren. Das entspricht unseren gesteckten Zielen“, sagt Tolbert.

Matan beschrieb die Auswirkungen des Projekts auf sein Leben mit deutlicheren Worten. „Ich bin ein Mensch mit Behinderung und sitze im Rollstuhl. Dieses Projekt hat mich wirklich ermutigt, ein Vorbild für meine Gemeinschaft zu sein. In unserer Gemeinschaft gibt es in dieser Hinsicht ein großes Tabu. Jemand, der behindert ist, hat nichts zu sagen. Aber dadurch, dass ich Menschen zusammengebracht habe, um ihrer Gemeinschaft eine Stimme zu geben, sehen mich die Leute als einen Älteren und eine Führungspersönlichkeit – und nicht nur als eine behinderte Person, die von vielen Barrieren betroffen ist.“
 

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