HäUfig Gestellte Fragen

Häufig gestellte Fragen

Was ist interreligiöser Dialog?

Der Begriff „Dialog“ kann natürlich einfach für eine Unterhaltung zwischen zwei oder mehreren Menschen stehen, doch bei KAICIID verstehen wir unter „Dialog" – ob inter- oder intrareligiös, interkulturell oder interzivilisatorisch – eine Form der Interaktion zwischen zwei oder mehreren Personen unterschiedlicher Identität, bei der jeder seine eigenen Gedanken ausdrücken kann und man sich gegenseitig zuhört, ohne dabei über den anderen zu urteilen. In einer intellektuellen, rücksichtsvollen und aufgeschlossenen Atmosphäre können die Dialogteilnehmer voneinander lernen, und es entsteht die Gelegenheit zu tiefer Transformation. Beim interreligiösen Dialog, der oft auch als Glaubensdialog bezeichnet wird, geht es darum, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Identität eine gemeinsame Ebene von Verständnis und Respekt suchen und finden, die es ihnen ermöglicht, trotz der Unterschiede gut zusammen zu leben und zu arbeiten.

Im letzten halben Jahrhundert hat die exponentiell ansteigende Anwendung von Dialog, vor allem von interreligiösem Dialog, zu tiefen Wandlungen sowohl in der theologischen Wahrnehmung als auch in der interreligiösen Zusammenarbeit für Gerechtigkeit und Frieden geführt. Sowohl der interreligiöse als auch der interkulturelle Dialog tragen zu einem Paradigmenwechsel bei. Die Entwicklung geht dabei weg von dem Ziel, Auseinandersetzungen zu gewinnen und Ergebnisse zu kontrollieren, hin zu einer gemeinsamen, offenen Art der Entscheidungsfindung, die einem nachhaltigen Gemeinwohl dienen. Der Dialog steht im Mittelpunkt des Peacebuilding, und zwar in allen Phasen, von der Konfliktvorbeugung bis zur Friedensstiftung und dem Wiederaufbau nach einem Konflikt. Bei KAICIID ist der Dialog sowohl Mittel als auch Zweck – von der Entwicklung von Strategien und der Durchführung von Programmen bis hin zur Bewertung der Resultate.

Wenn KAICIID Dialoge zu schwierigen Themen organisiert, nimmt es dabei eine Vermittlerrolle ein, als dritte Partei irgendwo zwischen Track-1- und Track-2-Diplomatie. Laut KAICIIDs Theorie des Wandels ist der Dialog eine Methode, die zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen führt, etwas, das durch bloße Interessenvertretung nicht gelingen kann. Obwohl KAICIID sich im Dialog stets möglichst unparteiisch verhält, so wird doch ein werteorientierter, integrativer Ansatz verfolgt, der die Menschen­­rechte respektiert und einen verantwortlichen Umgang miteinander fördert.

 

WAS MACHT KAICIID? WAS IST AN KAICIID ANDERS?

KAICIID fördert den interreligiösen Dialog als Instrument für den Frieden: Wir ermöglichen den Dialog zwischen Anhängern unterschiedlicher Religionen und Kulturen. Das tun wir über unser politisches Netzwerk, durch öffentliche Veranstaltungen, und indem wir Religionsführer, politische Entscheidungsträger und Experten an einen Tisch bringen. Wir führen Schulungen durch: im interreligiösen Dialog, in der Methodik des Dialogs, und indem wir Wege aufzeigen, wie verschiedene Gruppen den Dialog in ihrem jeweiligen Kontext anwenden und von ihm profitieren können. Wir arbeiten mit Mediationsexperten zusammen, um eine Track-1.5-Diplomatie zu etablieren, bei der staatliche, internationale, zivilgesellschaftliche und religiöse Führungspersonen zusammengebracht werden. Wir stellen Forschungen über den interreligiösen Dialog an und widmen uns etwa der Frage, wie die Menschen in der Vergangenheit den Dialog zur Friedensschaffung eingesetzt haben und wie sich dies auf die Gesellschaft ausgewirkt hat.

Zum Dialog gehören auch Partnerschaften. KAICIID hat Kooperationsvereinbarungen mit führenden Persönlichkeiten aus dem Bereich des interreligiösen und des interkulturellen Dialogs, darunter die African Union, ISESCO, die World Scouts Foundation und die University of Montreal. Diesen Monat prüft der Vorstand der UNESCO ein Kooperationsabkommen mit KAICIID. Wir arbeiten bereits jetzt im Rahmen einiger gemeinsamen Projekte zusammen. Außerdem unterhalten wir enge Partnerschaften mit Religions for Peace, United Religions Initiative und weiteren Nichtregierungsorganisationen.

Um es zusammenzufassen: KAICIID arbeitet mit vielen Partnern und in vielen Regionen zusammen, aber mit einem Ziel, nämlich weltweit Organisationen zu unterstützen, die sich für die Förderung des Dialogs einsetzen. 

 

IST KAICIID EINE RELIGIÖSE ORGANISATION?

KAICIID ist keine religiöse Organisation. KAICIID vertritt jedoch die Ansicht, dass Religion eine positive und konstruktive Rolle spielt, und zwar nicht nur im Privatleben des Einzelnen, sondern auch in der Gesellschaft und in der gesamten Welt. Im Direktorium des Zentrums sind deshalb – bisher – fünf der großen, traditionellen Weltreligionen vertreten. Das Zentrum ist keine religiöse Organisation, sondern es schafft einen Rahmen für den Dialog, insbesondere zwischen Religionsvertretern und religiösen Organisationen sowie diversen internationalen Foren. So können religiöse und nicht-religiöse Stimmen auf bisher nie da gewesene Weise in einer weltweiten Konversation interagieren.

 

WOHER KOMMT DER NAME KING ABDULLAH BIN ABDULAZIZ INTERNATIONAL CENTRE FOR INTERRELIGIOUS AND INTERCULTURAL DIALOGUE?

Das KAICIID-Direktorium, das aus Vertretern mehrerer großen Weltreligionen zusammengesetzt ist, hat den Namen des Zentrums zu Ehren des Königs Abdullah Bin Abdulaziz gewählt. Es würdigt damit dessen Initiative, sich durch die Gründung und weitere Implementierung von KAICIID für den Dialog und für das gegenseitige Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen einzusetzen. Entscheidungen werden bei KAICIID in einer Balance zwischen dem Rat der Vertragsparteien (bestehend aus Regierungsvertretern von Österreich, Spanien und Saudi-Arabien, unter Beteiligung des Vatikans) und dem Direktorium (bestehend aus neun Religionsvertretern aus fünf verschiedenen Glaubenstraditionen) getroffen.

 

WELCHEN NUTZEN HAT KAICIID FÜR ÖSTERREICH? WARUM ÖSTERREICH?

Österreich profitiert in großem Maße von der physischen Präsenz von KAICIID, das seinen Sitz in Wien hat. Für die Renovierung des Palais Sturany auf dem zentral gelegenen Schottenring, der die historische Wiener Altstadt umschließt, sowie auch für die zahlreichen internationalen, regionalen, nationalen und lokalen Veranstaltungen werden die Dienste vieler ortsansässigen Berater und Unternehmen benötigt, die größtenteils in Wien angesiedelt sind und österreichische Mitarbeiter beschäftigen. Hinzu kommt, dass es sich bei einem Großteil der KAICIID-Mitarbeiter um Österreicher handelt. 

KAICIID hat Wien auch deshalb als Hauptsitz gewählt, um Partnerschaften mit den hier ansässigen internationalen Organisationen sowie die Zusammenarbeit mit ihnen zu erleichtern.

 

WÜNSCHEN SIE SICH, DASS SAUDI-ARABIEN SICH WESTLICHEN WERTEN UND MENSCHENRECHTEN GEGENÜBER ÖFFNET?

KAICIID ist eine zwischenstaatliche Organisation, die wie alle internationalen Organisationen nicht das gesetzliche Mandat hat, sich in die nationale Gesetzgebung souveräner Staaten einzumischen. Sinn und Zweck dieser und vieler anderer internationalen Organisationen ist es, Standards zu setzen und vorbildliche Lösungen (die sogenannte „best practice“) hervorzuheben. Es steht Staaten frei, diese Standards zu berücksichtigen und diese, falls sie sich dafür entscheiden, auch umzusetzen.

Innerhalb der Vereinten Nationen gibt es Foren, die sich mit Geschlechterfragen, Menschenrechten und Gerechtigkeit befassen. Unsere Rolle innerhalb der Vereinten Nationen besteht darin, den Dialog zu fördern.